Uli’s Fußballgeschichte Teil 1

Ein Gastblog von Uli Gisa

Hallo Zusammen,
 
Nachdem ich jetzt schon seit ungefähr fünf Jahren hier regelmäßig
mitlese und aus der Ferne die zum Teil wirklich unglaublichen und
haarsträubenden Geschehnisse beim HSV verfolge, wurde ich letztendlich
durch das Lesen in der HSV-Arena ermutigt, mal meine eigene ganz
persönliche „Fußball-Geschichte“ aufzuschreiben, die aus der Perspektive
eines von Geburt an Querschnittgelähmten vielleicht doch etwas
ungewöhnlich, aber hoffentlich nicht uninteressant ist. Denn wenn ich,
der also nie jemals gegen auch nur einen einzigen Ball getreten hat,
jetzt was über Fußball schreibe, das ist ja ungefähr so, als wenn ein
Blinder über Farbe spricht, oder?
 
Ich würde mich jedenfalls riesig freuen, wenn Ihr Euch die Zeit nehmen
könntet, meine doch etwas länger gewordene Geschichte zu lesen. Es geht
in diesem Rückblick nämlich neben dem HSV, mit dem alles angefangen hat,
um noch ein paar weitere Bundesliga-Vereine. Außerdem um den SSV Ulm
1846 (Fußball) und um diverse Turniere der früheren
Fußballnationalmannschaft, jetzt ja nur noch „Die Mannschaft“.
 
Und ich bin mir zwar nicht so sicher ob die Passagen, in denen es um die
Ulmer geht, für die Hamburger so Interessant sind, aber das könnt Ihr ja
überspringen. Die Geschichte stammt ursprünglich vom Mai 2019 und ich
habe sie jetzt noch etwas aktualisiert.
 
Gruß Uli
 
Ich möchte einfach mal mit dem Vereinsfußball anfangen, später kommt
dann noch etwas von der Nationalmannschaft bei diversen Turnieren hinzu.
 
In The Beginning, back in ca. 1979; Der HSV mit Kevin Keegan
 
Also… Ich komme aus Ulm an der Donau, bin seit Geburt Querschnittgelähmt und sitze deshalb im Rollstuhl. Und nachdem ich mich als keiner Junge wenn mein Vater Fußball im Fernsehen anschaute oft gefragt hatte, was denn daran jetzt so toll ist wenn da ein paar Männer in kurzen Hosen hinter einem Ball hinterher rennen, sah ich Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre im Fernsehen plötzlich einen kleinen und wuseligen Mann mit einem dunklen Lockenkopf, der am Ball alle seine Gegenspieler mit einer scheinbaren Leichtigkeit und Eleganz umkurvte wie Slalomstangen. Der Mann ist Engländer feierte vor kurzem seinen 70. Geburtstag, heißt mit mit Vornamen Kevin und spielte damals in der Bundesliga bei einem damals großen Verein in einer noch immer großen Stadt in Norddeutschland. Das was dieser Typ da auf den Rasen zauberte fand ich irgendwie faszinierend, ohne aber genau zu wissen warum eigentlich. Aber ich habe ab da meinen Vater wenigstens ansatzweise verstanden, warum er sich am Wochenende die Sportschau anschaut. Schließlich habe ich immer öfter auch die Sportschau geschaut und wurde dabei mehr oder weniger wegen Kevin Keegan zum HSV-„Fan“. Das Fan steht dabei extra in Anführungszeichen, da ich nie ein richtiger Fan war, sondern eher „Sympathisant“, das passt meiner Meinung nach besser.
 
 
Der FC Bayern München mit Breitner und Rummenigge
 
Dann wenige Jahre später, immer noch Anfang der 1980er Jahre, fand ich
das Duo Breitner/Rummenigge so unglaublich toll. Paul Breiter als der
unermüdliche Antreiber und Chef im Mittelfeld mit hochgekrempelten Armen und Karl-Heinz Rummenigge als Torjäger. Also wurde ich zum FC
Bayern-„Sympathisant“. Wieder ein paar Jahre später tauchte in Köln
Pierre Littbarski auf, wurde mein absoluter Lieblingsspieler und Uli war
so natürlich auch „Fan/Sympathisant“ des 1. FC Köln. Irgendwann merkte
ich dann aber dass es doch ziemlich albern ist, die Lieblingsspieler und
die Mannschaften, zu denen man in der Bundesliga hielt, so oft zu
wechseln wie Andere vielleicht die Unterhosen. Es gab dann auch über
einen langen Zeitraum keine Mannschaft mehr in der Bundesliga zu der ich
hielt. Und auch ohne eine Lieblingsmannschaft hatte ich aber weiterhin
noch immer Spaß an der Sportschau und habe mir auch regelmäßig den
(Montags)-Kicker geholt.
 
Der HSV war inzwischen in der Bundesliga für mich auch nur ein Verein
von vielen anderen. Aber natürlich habe ich mich doch sehr über das
goldene Tor von Felix Magath am 25. Mai 1983 in Athen gegen Juve
gefreut. Und Obwohl geografisch der VfB Stuttgart der nächstgelegene
Bundesligaverein ist hat mich komischerweise damals der VfB nie so
richtig interessiert. Aber z.B. die Förster-Brüder als Abwehr-Bollwerk
fand ich natürlich damals auch gut. Im Kicker habe ich zu diesem
Zeitpunkt immer alles gelesen und den Inhalt fast auswendig gelernt. Es
führte dazu, dass bei mir heute noch viele Namen von Bundesliga-Spielern
der 1980er-Jahren hängengeblieben sind, von denen ich auch noch von
einigen ohne nachzuschauen ihren damaligen Verein und manchmal auch noch die Position weiß. Und wenn dann kurz vor Saisonbeginn das dicke rote Bundesligaheft rauskam war das damals quasi jedes Jahr ein „Feiertag“
für mich.
 
 
Der SSV Ulm 1846 in der zweiten Liga
 
In der Saison 1983/84 schließlich, als der FC Schalke 04 gerade in die
zweite Liga ab- und die Ulmer Spatzen vom SSV Ulm 1846 dorthin
aufgestiegen waren, bin ich auch öfter im Donaustadion gewesen. Mit
unter anderem dem 1:0-Sieg der Ulmer gegen Schalke (mit dem ganz jungen
Olaf Thon) als einem der Höhepunkte. Ich habe damals auch alles
gesammelt, was in den Zeitungen über die Ulmer geschrieben wurde. Leider hat dann meine Begeisterung irgendwann dann doch wieder nachgelassen und ich bin erst einmal für eine ganze Zeit lang nicht mehr in einem Stadion gewesen. Auch die ganzen Zeitungsartikel hatte ich inzwischen (leider) alle weggeschmissen und nur noch die ganzen Kicker-Hefte behalten. Die Bundesliga habe ich Samstagnachmittags im Radio mit der legendären Bundesliga-Schlusskonferenz gehört und den Montags-Kicker noch immer regelmäßig gelesen und gesammelt. Das waren also die 1980er-Jahre.
 
 
Borussia Dortmund im Westfalenstadion
 
In den 1990er Jahren wurde mir dann neben der Berufsausbildung erst mal
die Rockmusik mit AC/DC & Co. wichtiger als Fußball. Aber die Bundesliga
im Radio und Fernsehen sowie Montags-Kicker wurden weiter verfolgt bzw.
gekauft und gelesen, wenn auch längst nicht mehr so intensiv. Bis ich
dann im Rahmen meiner Berufsausbildung in Nordrhein-Westfalen die Chance
bekam, mal zu einem Bundesligaspiel von Borussia Dortmund mitfahren zu
dürfen. Damals war dort ein gewisser Horst Köppel Trainer und es
spielten dort z.B. Michael Rummenigge, Frank Mill, der
noch-Doppelpass-Moderator Thomas Helmer und der heutige BVB-Manager
Michael Zorc. Die Stimmung im damaligen Westfalenstadion war dabei
meiner Meinung nach fast immer viel besser als das Spiel. Nachdem ich
bis dahin keine Bundesligamannschaft mehr hatte, zu der ich gehalten
habe, wurde ich so schließlich zum BVB-„Sympathisanten“. Davon zwei
Jahre sogar mit Dauerkarte. Den HSV habe ich dabei aber auch nie ganz
aus den Augen verloren. Nach ingesamt drei schönen Jahren ging es dann
schließlich wieder zurück nach Ulm. Dort kickten die Spatzen, inzwischen
in der damals noch drittklassigen Regionalliga Südwest, mehr schlecht
als recht, vor sich hin. In der Saison 1993/94 spielte dort u.a. auch
Joe Zinnbauer im Mittelfeld. Und ich habe mich über die beiden
Meisterschaften der Dortmunder 1995, 1996 und dem CL-Sieg, ausgerechnet
in München, 1997 als Krönung riesig damals gefreut. Ohne natürlich zu
ahnen was das noch für Spätfolgen für den BVB haben sollte.
 
Der sensationelle Durchmarsch des SSV Ulm 1846 in der Bundesliga mit
anschließendem tiefen Fall und Bezug zum HSV
 
In Ulm kam zur Saison 1997/98 der „Fußball-Professor“ Ralf Rangnick als
Trainer zurück. Er hatte in der Oberliga-Baden-Württemberg, damals noch
die dritthöchste Liga, schon einmal ein Jahr bei den Spatzen gespielt.
Nach dem Zweitliga-Aufstieg 1983 wechselte er zur zweiten Mannschaft des
VfB Stuttgart. Wieder zurück in Ulm läutete er schon ein paar Jahre vor
der Jahrtausendwende an der Donau ein neues Fußball-Zeitalter ein. Dies
führte schließlich dazu, dass sich die Spatzen nach einem Durchmarsch
von der Regionalliga für ein Jahr in die Bundesliga „verirrt“ hatten.
Für den inzwischen vom damaligen VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder
erneut zu den Stuttgartern geholten Rangnick hatte der bis dahin in
Deutschland eher unbekannte Schweizer Martin Andermatt die Arbeit
Rangnicks mit dem Bundesligaaufstieg erfolgreich veredelt. Das war für
mich natürlich auch das Allergrößte überhaupt. In Ulm, um Ulm und um Ulm
herum war Ausnahmezustand und ich in der Bundesliga-Saison 1999/2000
„mittendrin statt nur dabei“, um mal das Motto des damaligen DSF zu leihen.
 
Im Neuen Jahrtausend gab es dann die Rückrunde eines unvergesslichen
Bundesliga-Jahres 1999/2000. Die Spatzen hatten dabei trotz der
furchtbaren 1:9-Klatsche im März 2000 gegen den Werksklub aus der
Geburtsstadt des allseits bekannten „Tricksers“ Bernie Paul H., sowie
viermal Rot in Rostock durch Schiedsrichter Herbert Fandel (mit dem
legendären, und noch immer auf einer Videoplattform zu sehenden
„Skandal!“-Abgang von Janusz Góra in die Kabine), bis zum letzten
Spieltag die Chance auf den Klassenerhalt und ein zweites
Bundesligajahr. Nicht zuletzt auch dank eines 2:1 Auswärtssieges beim
damaligen Tabellendritten HSV, dessen Torschütze ein gewisser Thomas
Gravesen war. Vielleicht kennt den ja hier auch noch jemand ;-). Aber
Eintracht Frankfurt mit Trainer Felix Magath und Horst Held als Schütze
des Elfmeters zum 2:0 kurz vor Schluss hatten da schließlich etwas
dagegen und so folgte einem (zu) schellen Aufstieg ein genauso schneller
Abstieg. Aber was dann kam ist für mich genauso unvergesslich.
 
Es ging jedenfalls für die Ulmer nach nur einem Jahr zweite Liga mit
anschließendem Lizenzentzug in die erste Insolvenz und somit direkt
runter in die damals fünftklassige Verbandsliga Württemberg. Das alles
war zu viel für mich! ich war raus und wollte vom Ulmer Fußball erst
einmal überhaupt nichts mehr wissen. Die Bundesliga habe ich aber
Samstags im Radio weiterhin verfolgt und Montags noch immer den Kicker
gelesen. Und ich hatte aber in dieser Zeit keine Mannschaft, der ich
besonders die Daumen gedrückt habe.
 
Im Jahr 2009 kam es in Ulm zur Loslösung vom Hauptverein und der
Gründung von eigenem Verein SSV Ulm 1846 Fußball, der dann auch noch
zweimal Insolvenz anmelden musste. Trainer in der Saison 2008/09 wurde
mit Markus Gisdol noch einmal ein späterer HSV-Trainer. Gisdols
Nach-Nachfolger war dann ein gewisser Ralf Becker, der sich einige Jahre
später als… (ja was eigentlich?) beim ehemals großen HSV versuchen
sollte. In der Endphase der Regionalliga-Saison 2008/09 kam dann auch
noch ein Manipulationsverdacht hinzu, infolgedessen drei Spieler
entlassen wurden, die mit der Wettmafia zusammengearbeitet haben sollen. Ob die Vorwürfe letztendlich berichtigt waren, weiß ich aber heute nicht mehr.
 
Ende November Jahres 2010 musste schließlich auch der SSV Ulm 1846
Fußball zum ersten Mal Insolvenz anmelden. Der Trainer Becker trat
damals von selber zurück und sein Vertrag wurde zum Jahresende 2010
aufgelöst. Nur vier Jahre später kam es wegen hohen Spielergehältern zur
insgesamt dritten Insolvenz, bzw. die zweite für den gerade einmal fünf
Jahre jungen Verein SSV Ulm 1846 Fußball. Für den ging es dann in der
Saison 2014/15 in der, nach Einführung der Dritten Liga und den
Regionalliegen, wieder nur fünftklassigen Oberliga weiter. Zwei Jahre
später gelang der Aufstieg in die Regionalliga Südwest in der man jetzt
erst einmal festhängt. Ins Stadion habe ich mich bis heute nicht mehr
getraut, auch nicht beim Sensationserfolg im DFB-Pokal über
Titelverteidiger Eintracht Frankfurt in der ersten Runde im August 2018.
Es war und ist mir zur Zeit einfach nicht mehr wichtig genug. Vielleicht
ändert sich das ja noch eimal
 
Damit aber genug von den Ulmern, bei denen inzwischen wenigstens wieder seriöse Leute am Werk sind die, soweit ich das beurteilen kann, auch Ahnung haben von dem was sie tun. Und das ist ja auch schon mal etwas, auch wenn es denn es soll ja auch Vereine geben, bei denen das
möglicherweise nicht der Fall ist…
 
Von | 2021-03-12T20:26:17+01:00 1. März 2021|Allgemein|28 Kommentare

28 Comments

  1. holly 1. März 2021 um 08:09 Uhr

    vielen Dank, Daniel T.

    reicht wenn man das an die kabinentür hängt, mehr motivation braucht man nicht

  2. Gravesen 1. März 2021 um 08:36 Uhr

    Zu geil!142 Mal „Du bist scheiße“ gegen „Du bist scheißer“. Münchhausens Vollregistrierung hat es so richtig gebracht, selbst der perverse Wohnmobil-Säufer Regelin darf wieder mitpöbeln. Aber wie heißt es so schön?

    Das Ganze gepaart mit der Expertise des bekannten Sportjournalisten Marcus „Scholle“ Scholz, der beim HSV seit mehr als 21 Jahren 24/7 am Ball ist, bietet ein Maximalmaß an objektiver Informationen und zeitgemäßer Unterhaltung. Ziel ist es, hier frischen, dynamischen Content zu bieten, der sich wohltuend von der allgemeinen Journaille abhebt.

    😀 😀 😀

    In welchem Parallel-Universum lebt der Insolvenzblogger eigentlich?

    • Kugelblitz 1. März 2021 um 11:03 Uhr

      Zitat Grave: „der perverse Wohnmobil-Säufer“

      Die wirken fast alle wie Wohnmobil-Säufer dort.

  3. jandpunkt 1. März 2021 um 08:42 Uhr

    Moin Uli,
    vielen Dank für den ersten Teil Deiner Geschichte, ich freue mich schon auf den nächsten ?

    Und Daniel T. ist Osnabrück!

  4. Kugelblitz 1. März 2021 um 08:56 Uhr

    Ein sehr toller Gastbeitrag. Danke dafür.

    Ja, Mitte/Ende der 70er bin auch ich zum Fußball gekommen. Die Spieler wechselten noch nicht so häufig, man konnte sich mit ihnen identifizieren. In der Sportschau gab es Ausschnitte von drei Spielen und man hoffte vorab immer, dass der eigene Lieblingsclub dabei war.

  5. Matze 1. März 2021 um 09:00 Uhr

    Schließe mich an: Toller Gastbeitrag!

    Und danke HSV: Das ist das perfekte Bild zur Überschrift. Ein Gesicht, dass vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Dazu die breite Brust, mit der man ins Derby geht.

  6. Jan 1. März 2021 um 11:31 Uhr

    Moin!
    Als Hamburger mit Verwandschaft in Ulm freut es einen umso mehr, diese alten Geschichten zu lesen. War damals auch zu Erstligazeiten des SSV einmal im Stadion. Danke für die Zeitreise Uli. Zum Thema erfolg- und nachhaltiger Sport fällt mir dann auch sofort das Thema Basketball ein, denn die Ulmer Basketballer gehören seit Jahren zu den Big Five in Deutschland. Passend dazu spielen die Hamburg Towers am Mittwoch in Ulm. Und ich bin Fan beider Mannschaften.
    Achja, heute ist Derbytag und ich bin gespannt, ob der HSV „Eier“ zeigt, oder weiterhin die Rückrundentendenz weiterlebt.
    Und zum Schluß noch ein dickes DANKE an Ulli für Dein tun hier. Weiter so!

  7. Gravesen 1. März 2021 um 11:38 Uhr

    https://m.tagesspiegel.de/meinung/kolumne-ich-habe-verstanden-liebe-alle-die-unhoeflichste-aller-anreden/7824830.html

    Wer aber „Liebe Alle“ schreibt, meint am Ende gar keinen. Es ist die unhöflichste aller Anreden, es geht nicht unpersönlicher, der Einzelne verschwindet in einer undefinierbaren, schier endlosen Masse.

  8. Hein Blöd 1. März 2021 um 12:24 Uhr

    Moin Uli!
    Vielen Dank für Deinen tollen Gastbeitrag, hat mir sehr gefallen.

  9. Walti 1. März 2021 um 12:34 Uhr

    Toller Beitrag, schöne Geschichte aus dem Leben!
    Warte gespannt auf die Fortsetzung…

  10. Detlev 1. März 2021 um 12:34 Uhr

    Lieber Uli,

    vielen Dank für Deinen Beitrag. In vielen Punkten habe ich mich so oft wiedergefunden, dass es einer Zeitreise vorm Bildschirm glich.

    Ich war seit Ende 70 / Anfang 80 auch Fan oder vielleicht auch nur Sympathisant des HSV, aber trotzdem hatte man vor anderen Mannschaften noch Respekt. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass ich (Baujahr 71) aufgrund des Alters und des nicht vorhandenen Alkoholkonsums noch so naiv und nüchtern war, dass man auch die Leistungen von Breitner/Rummenigge oder anderen Spielern anderer Vereine gewürdigt hatte.

    Ich habe auch bis heute nie verstanden, warum man seinen Gegner „hassen“, beleidigen oder anpöbeln muss. Wenn ich Sport betreibe, dann habe ich einen Gegner, den ich aber trotzdem mit Respekt behandeln kann, oder? Wenn ich früher Schach oder Risiko gespielt habe, dann habe ich auch manchmal verloren, aber trotzdem meine Mitspieler nicht angepöbelt oder das Brett am Ende in die Ecke geschmissen. Warum macht man so etwas? Was ich mal gemacht habe, so ehrlich muss ich sein, ich habe öfter mal meinen Badmintonschläger an die Wand oder die Hallendecke geworfen, aber immer ohne jemanden zu verletzen.

    Man hört immer den Spruch, das früher ja alles besser war. Ich habe das nie geglaubt, es war anders, aber nicht besser. Bezogen auf den Fußball würde ich auch nicht sagen, dass früher alles besser war als heute, aber die Summen waren kleiner, es wurde nicht alles berichtet, da es früher nur um Fußball ging und nicht, ob ein Spieler nachts noch in der Disco oder bei einer anderen Frau war. Ja, es war früher übersichtlicher, überschaubarer und vielleicht nicht so durchgeknallt wie heute. Früher gab es noch Menschen in diesem Business, die trotzdem noch Charakter und Herz hatten. Spontan fällt mir da ein Charly Neumann auf Schalke ein. Es gab Spieler die eigene Meinungen hatten, heute haben die Spieler 3 Berater und Manager und haben die eigene Meinung schon längst im Spind vergessen.

    Ja, ich gebe es zu, was den Fußball angeht bin ich ein Nostalgiker. Ich hatte sogar 3 volle Panini Sammelalben, die ich irgendwann einmal weggeschmissen habe. Ich darf gar nicht sehen, was so etwas heute bei ebay bringt ….

    Aber nun noch einen kleinen Bezug zu Deiner Geschichte.
    Du schreibst da etwas zu den Förster Brüdern, dem Abwehrbollwerk vom VfB. Auch ich habe vermutlich noch mehr Namen von damals im Kopf als von den letzten Jahren, da es damals auch nicht diese Mentalität gab (auch kein Bosman), dass man nach 2 oder 3 Jahren bei einem anderen Verein spielt. Machen wir doch mal ein Spiel, ich schreibe einen Namen und den Verein und ihr testet mal, ob ihr den Verein auch noch erraten hättet.

    Allgöwer = VfB
    Dieter Bast = VfL Bochum
    Wolfgang Kneip = Bielefeld
    Ewald Lienen = Mönchengladbach
    Hannes Bongartz = Kaiserslautern
    Charly Körbel = Frankfurt
    Manfred Drexler = Schalke 04
    Herget = Uerdingen

    Es gibt diverse, die mir wirklich spontan einfallen und wo ich auch noch das Bild vor Augen habe. Und wie ist das heute? Ich gebe zu, dass ich den Fußball nicht mehr verfolge, aber ich könnte vom heutigen Kader der Temas in der Bundesliga noch nicht einmal 3 Namen zweifelsfrei zuordnen. Es ist beliebig, austauschbar einfach uninteressant geworden.

    Noch eine Situation, die sich vor einigen Jahren mal ereignet hatte und da sieht man ganz gut, was ich hier meine. Ich wohnte damals noch in der Städteregion Aachen und bin öfter von Freunden/Bekannten zum Aachener Tivoli mitgenommen worden. Irgendwann gab es ein Abendspiel in der zweiten Liga gegen Fortuna Düsseldorf. Ich bin auch nie Zweitligaexperte gewesen und vermutlich kannte ich aus dem Kader des Vereins vom Rhein keinen einzigen Spieler.
    Wir standen da auch der Stehtribüne und als ich die Mannschaftsaufstellungen sah, fielen mir 5 Namen ein. Klaus und Thomas Allofs, Gerd Zewe, Bockenfeld und Bommer. Einer der Beiden hieß Manfred und den anderen Vornamen weiß ich nicht mehr. Bilder aus meinen Panini Alben sah ich vor meinen Augen und das Spiel auf dem Rasen war absolut uninteressant, weil ich absolut keinen Bezug mehr hatte.

    Und deshalb bleibe ich dabei, beim Fußball war früher alles schöner. Namen die bekannt waren, Spieler und Funktionäre die treu waren und Summen die überschaubar waren. Mir ist eigentlich vollkommen egal, was aus dem heutigen Fußballgeschäft wird und ob und wie und wann es implodiert oder nicht. Ich kann über den Fußball nur eines sagen, was das Schlimmste ist, was ich über ein Thema oder über eine Person sagen kann.

    Es ist mir egal.

  11. Tommy 1. März 2021 um 19:53 Uhr

    Moin Ulli,

    super Blog und besten Dank dafür. Freue mich auf den nächsten Teil.

  12. Sebastian 1. März 2021 um 22:19 Uhr

    Der Volkspark brennt. ?

  13. Ungebetener Gast 1. März 2021 um 22:27 Uhr

    Richtig gut verkackt der HSV. Auch Leibold ein richtiger Säulenspieler, der mal einen raus haut wenn’s bei der Mannschaft nicht läuft. 😉

  14. Tommy 1. März 2021 um 22:27 Uhr

    Geile Sache! Erst den glasklaren Elfmeter nicht bekommen, aber dennoch macht Pauli das Ding.

  15. Maddin 1. März 2021 um 22:33 Uhr

    Hat jemand Terodde gesehen ??

  16. Profikommentator 1. März 2021 um 22:34 Uhr

    Erst verliert der Gigant des Nordens gegen den Stadtteilverin, dann verabschiedet sich auch noch der Server von gute Nacht Volkspark. Wieder mal ein geiles Auswärtsspiel des HSV.

  17. Calcetin 1. März 2021 um 22:34 Uhr

    Vielen Dank Ulli, ganz toller Beitrag!

  18. cajunX 1. März 2021 um 22:42 Uhr

    Hmm, in der Rückrundentabelle grüßt St. Pauli von oben, während der HSV auf dem 14. Platz offensichtlich nach dem Relegationsplatz (nach unten) strebt. Das wird diese Saison in der Endabrechnung selbst mit dem 4. Platz eng.
    https://www.kicker.de/2-bundesliga/tabelle-hinrunde-rueckrunde

  19. Dommie 1. März 2021 um 22:42 Uhr

    Guter Blog @ Uli, freue mich auf die Fortsetzung !

    Die Hüpferfraktion in MoinVolksspack hat Scholz wohl den Stecker gezogen ?

    Sollen Sie doch endlich an Ihrer fehlenden Weitsicht kaputtgehen die Meatys, Didis, Alwayshumbug und wie die .rsche sich Alle nennen ….

    Der HSV bleibt sich zumindest in seiner Dummheit und Berechenbarkeit treu …

    Wäre ich noch mit Leib und Seele dabei, würde ich sagen, dass unser Inklusionlehrlingsscouch ausgeschissen hat.

    HShitVerein

  20. Tommy 1. März 2021 um 22:49 Uhr

    Joo, und wieder hat ein Welttrainer mit seinen Weltfussballern gegen den Zeckenverein verloren!
    Hammer Rückrunde des KSV mal wieder. Dieter scheint wieder auf der Bank zu sitzen.Ich freu mich
    schon auf Schalke nächstes Saison.

  21. atari 1. März 2021 um 22:55 Uhr

    Münchausen hat ja Ambrosius empfohlen sich die Gelbsperre für Würzburg abzuholen, weil die schlagen sie ja sowieso. Hat schon mal gut geklappt. Natürlich hat er nicht damit gerechnet das sich jetzt Leibold mal eben vor zwei wichtigen Spielen eine völlig unnötige Rot-Sperre holt. TschüssVolkspark!

  22. Nichtkunde 1. März 2021 um 22:58 Uhr

    Hahaha! Großartige Dramaturgie.

    Beeindruckend, mit welcher trump’esken Faktenresistenz Treter Leibold sich eben im Interview um Kopf und Kragen gesabbelt hat.

    Dürfte direkt ein Spiel Aufschlag bei der Bemessung des Strafmaßes geben.

  23. Demosthenes 1. März 2021 um 23:14 Uhr

    Es folgen die Spiele gegen Kiel, Bochum und Heidenheim, die Plätze 2, 1 und 6, Stand heute. Thioune kann einem fast leid tun. Am 27sten Spieltag, wenn es gegen Hannover geht, liegt der HSV bereits mit 10 Punkten Abstand zur Spitze auf Tabellenplatz 6, überholt vom KSC und Fortuna. Jansen will längst kein VV mehr sein, DT ist Geschichte und Honeymoon is immer noch over. Und MeinVollspast zerlegt sich im freien Fall.

  24. Matze 1. März 2021 um 23:28 Uhr

    ###### RICHTIGSTELLUNG HSAG ######
    Am 1.März habe wir Thioune zitiert mit den Wort: „St.Pauli ist St.Pauli und die HSAG ist Hamburg“. Korrekt wäre gewesen: „St.Pauli ist St.Pauli und Hamburg ist braun-weiß!“

  25. Demosthenes 2. März 2021 um 00:27 Uhr

    Kevin Kackstift für Arme: https://www.youtube.com/watch?v=5QOlhPEy5Lc
    Ab 1:53:47

    Semper Fi

    • Gravesen 2. März 2021 um 04:09 Uhr

      Diese dämliche Hackfresse. Noch so ein Gesicht des Niedergangs

  26. Uli Gisa 2. März 2021 um 19:40 Uhr

    Hallo zusammen,

    Nach ein paar Jahren interessierter Beobachter und stiller Mitleser hier schreibe ich auch mal was und möchte mich bei Grave für gestrige Veröffentlichung des ersten Teil meiner kleinen Fußball-Geschichte und bei den Lesern für die netten positiven Reaktionen bedanken.

    Ihr habt mich dazu animiert, das Ganze doch auch mal schriftlich festzuhalten und die Geschichte, die dabei herauskam war als ich sie geschrieben hatte ursprünglich gar nicht zu Veröffentlichung vorgehen.

    Nach dem Blog zum 70. Geburtstag von Kevin Keegan und der ursprünglich angekündigten Pause von Grave fiel sie mir dann wieder ein und dachte mir, das passt doch jetzt vielleicht hier, vielleicht als Lückenfüller oder so, und habe sie dem „Blogvater“ zur freien Verfügung geschickt.

    Ohne allzu viel vorweg nehmen zu wollen, sei an dieser Stelle doch schonmal soviel zum zweiten Teil verraten: Es dann weiter mit dem HSV ab der Saison 2006/07 und die ehemalige Deutsche Fußballnationalmannschaft, jetzt nur noch „Die Mannschaft“ (der DFB musste wohl damals schon sparen, anders kann ich mir diesen Quatsch nicht erklären) bei diversen Turnieren darf auch nicht fehlen.

    Mir ist dann zum Teil 1 noch eingefallen, dass Manfred Kastl in den 1990ern auch mal in Ulm gespielt hatte. Er kam ja damals aus Fürth nach Hamburg, zusammen mit einem weiteren Spieler, dessen Namen ich jetzt irgendwie leider vergessen habe 😉

    @Detlev: Der Düsseldorfer Bommer heißt Rudi, später ja auch Trainer von 1860, Duisburg und Saarbrücken (bin mir aber mit den Stationen auswendig jetzt nicht so ganz sicher).

    Den HSV sehe ich in der jetzigen Konstellation leider eher bei 1860 München und dem 1. FC Kaiserslautern als bei Bayern, Dortmund oder Leipzig.

    Und noch ganz kurz zum Basketball, wo ich auch ein paar Jahre eine Dauerkarte hatte: Mike Taylor, der Aufstiegstrainer der Hamburg Towers, war auch der Ulmer Aufstiegstrainer im Jahr 2006.

    Gute für Euch und liebe Grüße aus Ulm, Uli Gisa

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