Wenn der Trainer die Mannschaft „verliert“…

Als Außenstehender kann man sich das eigentlich nur schwer vorstellen, aber es passiert und beim KSV passiert es überproportional oft – ein Chefcoach, ein Übungsleiter wird ausgerechnet in der wichtigsten Phase der Saison von der Mannschaft bzw. Teilen der Mannschaft im Stich gelassen, hängengelassen, im Grunde vorsätzlich abgesägt. Männer, die mit dem, was sie tun, Hunderttausende wenn nicht gar Millionen verdienen, stellen ihre eigenen persönlichen Befindlichkeiten über das Wohl ihres Arbeitgebers und gefährden somit vorsätzlich die ausgegeben Ziele, teilweise sogar für den Klub überlebensnotwendige Entwicklungen. Die Motive sind dabei recht unterschiedlicher Natur und das ist wohl eines der großen Probleme für den Boss. Der Eine spielt nicht oft genug, der Andere wird nicht häufig genug gelobt und der Dritte würde doch gern öfter in den Arm genommen werden. Dann gibt es wieder Welche, die sind einfach nur ekelhafte Stinkstiefel und brauchen eigentlich kein Motiv, ein Anderer gefällt sich in der Rolle des Maulwurfs und steckt Kabinengeheimnisse wahlweise an den Sportchef oder die Presse durch. Sie alle haben jedoch etwas gemeinsam: Sie schaden dem Verein. Ihr großes Glück – in den seltensten Fällen wird ihr Verhalten sanktioniert, zu 99 % erwischt es den vorgesetzten Trainer, denn der ist immer das schwächste Glied in der Kette.

Eigentlich ist diese Geschichte widersinnig, betrachtet man die gerade aufgerufenen und überwiesenen Hausnummern aka Ablösesummen für Profitrainer. Man muss sich das einmal vorstellen: Der FC Bayern überweist für Julian Nagelsmann € 25 Mio. Richtung Leipzig und feuert diesen nach 10 Monaten, weil die Herren Goretzka, Müller und Neuer den neuen Chef doof finden. Aber das wird nicht passieren und ich erkläre auch gern, warum nicht. Wenn bei einem Verein wie Bayern ein Spieler meint, seine Eigeninteressen vor die Interessen des Vereins stellen zu müssen, hat er einen Termin bei Rummenigge. Der erklärt ihm dann in halbwegs freundlichen Worten, warum er bei den Bayern angestellt ist, was er monatlich überwiesen bekommen und dass er sich verdammt nochmal den Arsch aufzureißen hat! Weil das in München aber jeder Spieler weiß, versucht es keiner und das ist in Hamburg nunmal vollkommen anders. In Hamburg existiert keine Führung mit Charakter. 

„Die Beziehung zwischen Trainer und Spielern hat immer mehr gewackelt“, sagte Boldt und versuchte zu begründen, warum seine Worte innerhalb von nur zwei Tagen ihre Bedeutung verloren hatten. Was zwischen diesem Freitag und jenem Montag passierte, waren vor allem Gespräche, die Boldt mit Führungsspielern, aber auch mit Sportdirektor Michael Mutzel geführt hatte. Herausgekommen ist ein Bild, das Boldt zu einem Kurswechsel veranlasste. Der Trainer, so war es zu hören, hatte seine Mannschaft verloren (Quelle: Auftragsblatt.de)

Um es einmal unmißverständlich klarzustellen: Dieses Gespräch wäre absolut überflüssig gewesen, würde man sich als Sportvorstand oder Sportdirektor in ausreichender Weise für die Geschicke des Vereins interessieren. Denn dann hätte man bereits vor Monaten erkennen müssen, was der eine oder andere Kicker „vorhat“ und hätte ihn ins Achtung stellen müssen. Das aber passiert in Hamburg nicht. Es ist bei Wolf nicht passiert, bei Hecking nicht passiert und auch bei Thioune nicht passiert, man hat den Cheftrainer alleingelassen. Allein mit einem Haufen charakterloser Söldner, denen scheißegal ist, in welcher Liga ihr Arbeitgeber spielt. Stattdessen wartet man bis 3 Spieltage vor Ultimo, spricht dann mit den Denunzianten und nicht mit dem Trainer und kickt denjenigen, mit dem man (wieder einmal) langfristig etwas aufbauen wollte, einen Weg gehen wollte und für den man vor 9 Monaten noch € 500.000 nach Osnabrück überwiesen hatte. Das Scheitern von Daniel Thioune ist nicht nur ein Scheitern eines Trainers, der mit diesem Verein, aber besonders mit diesen Spielern überfordert war, es ist vor allem ein Scheitern der sportlichen Leitung, nun schon zum dritten Mal in zwei Jahren. Wenn es eine gerechte Welt gebe, müssten die Herren Boldt und Mutzel am selben Tag vorm Hof reiten wie Coach Thioune. Da dies aber nicht passieren wird, wird sich in diesem Verein nie etwas ändern, jedenfalls nicht zum Besseren. 

Liest man nun gestern die schriftlich übermittelten Stellungnahmen des gefeuerten Trainers, so klingen die ein wenig anders als das, was uns Judas Boldt verkaufen wollte. 

Kam das für Sie überraschend? Immerhin gab es wenige Tage zuvor ja noch ein klares Treuebekenntnis.

Ja, aufgrund der vorherigen Gespräche war es am Sonntag dann schon überraschend für mich.

Weiter wurde auch von einem immer größeren Bruch zwischen Ihnen und der Mannschaft gesprochen. Können Sie das bestätigen?

Nein, das habe ich nicht so empfunden. Ich habe mit der Mannschaft immer offen kommuniziert, immer Lösungen an die Hand gegeben und versucht, sie mit einzubinden, wenn wir es für sinnvoll erachtet haben. Ich habe einige Nachrichten aus der Mannschaft nach der Freistellung bekommen, in denen Spieler meinen Abgang bedauern und sich für die Zusammenarbeit bedanken. Das klingt für mich nicht nach einem Bruch.

Wirft irgendwie kein so gutes Licht. Auf alle. 

Zum Schluss…

…das Letzte!

Vielleicht bin ich ja doch in einem früheren Leben Hooligan gewesen? Aussagen von Ex-Poptown Ultra Henrik Köncke, erschiene im Auftragsblatt.

Absolut. Die Verhinderung der Super League darf nur der Anfang sein. Es gibt viel mehr Themen, die wir angehen müssen. Die Champions-League-Reform, eine unverschämte WM in Katar und ganz grundsätzlich ein Fußball, der trotz Corona immer nur ein höher, schneller, weiter kennt. Dieser Fußball entfremdet sich jeden Tag immer mehr von der Basis – und dagegen müssen wir uns wehren

Ich liebe den Fußballsport und schaue natürlich gerne Spiele auf höchstem Niveau. Aber Spiele in der Champions League wie in der vergangenen Woche zwischen Chelsea und Real Madrid haben einfach mein Interesse verloren, gerade aufgrund der aktuellen Situation und den Entwicklungen in den vergangenen Jahren und Monaten. Und auch WM-Spiele schaue ich nur, wenn ich durch Zufall irgendwo zum Grillen eingeladen bin, wo der Fernseher läuft 

 In erster Linie ist es wichtig, dass uns Fans zugehört wird, die Interessen wahrgenommen werden und ein Austausch stattfindet. Wir wollen eine gegenseitige Wertschätzung und einen Verein, der eine klare Haltung und eine Identität ausstrahlt.

 Auch der HSV ist reformbedürftig. Weder im Fußball allgemein noch beim HSV ist alles gut.

Der Fußball und seine Fankultur stehen am Scheideweg. Auf nationaler Ebene ist es kurz vor zwölf Uhr, auf internationaler Ebene ist schon lange nach zwölf Uhr

Bemerkenswert.

 

 

Von | 2021-05-06T07:52:03+02:00 6. Mai 2021|Allgemein|23 Kommentare

23 Comments

  1. hamuburgmini 6. Mai 2021 um 08:29 Uhr

    Moin,
    So siehts aus!
    Danke für diesen Beitrag Grave! Top.

    Ich musste heute bereits kurz Lachen, die „Blöd“ vermeldete daß Schalke an Dursun interessiert wäre, ich bin mal gespannt, welchen potentiellen Stürmer
    Boldt, Mutzel und Costa nun aus dem „Hut“ zaubern 🙂

  2. Gravesen 6. Mai 2021 um 08:33 Uhr

    Ich möchte mich ganz herzlich für die vielen tollen Spenden gestern bedanken. Das war eigentlich nicht als Aufruf gedacht, aber freuen tut einen das natürlich trotzdem.

    Merci ❤️❤️❤️

  3. BesuchausdemSüden 6. Mai 2021 um 08:46 Uhr

    Schaut man die aktuellen Transfermeldungen an so fällt eine Sache auf: Kein Bundesligist oder gar nichtdeutscher Verein hat Interesse an einer Verpflichtung eines HSV Spielers. Ein Raum aus Fürth wechselt nach Hoffenheim. Harakuchi aus Hannover wird bei Union gehandelt. Der Kieler Lee soll auch mit diversen Erstligisten verhandeln und ein Serra von Kiel soll wohl nach Bielefeld wechseln. Zudem wird sicher auch der schnelle und wendige Bochumer Holtmann noch ein paar gute Angebote erhalten.
    Und beim HSV ? Da ist diesbzlg. Funkstille. Niemand will wohl einen Rückpass-Dingeldong, einen Leistungsverweigerer Vagnoman oder die Fehlersäule Helm-Klaus für die wichtige 6 er Postion. Kein Spieler wurde besser gemacht und weckt somit das Interesse anderer Clubs.Im Gegenteil. Der HSV beschäftigt für viel zu viel Geld nur Bückware und wenn man jetzt noch mit Ahorn Hund verlängert wird, dürfte dies der finale Sargnagel der schlechten Kaderplanung eines Jonas Boldt gewesen sein.

    • Gravesen 6. Mai 2021 um 08:58 Uhr

      Genau deshalb geht man ja auch seitens des Vereins in die Offensive und bietet Wagnermann für die lächerliche Summe von € 8 Mio.über die Medien an. Es ist so unfassbar albern, aber der Verein braucht jeden Cent. u.A. für die Abfindung von Thioune und das Gehalt von Ulreich für die nächsten zwei Jahre. Boldt ist nun zwei Jahre hier, hat 3 Trainer verschlissen, nur Schrott gekauft, Pollersbeck für € 250.000!!! verschenkt und zweimal den Aufstieg verkackt. Wenn der Typ jetzt nicht gefeuert wird, dann geht er in Hamburg in Rente.

      • Kugelblitz 6. Mai 2021 um 09:18 Uhr

        Rente in Hamburg? Der steht doch auf den Listen vieler europäischen Spitzenclubs.

      • BesuchausdemSüden 6. Mai 2021 um 09:18 Uhr

        8 Mio für Wagnermann !? Haha. Wer soll das in Pandemiezeiten für einen Leistungsverweigerer, welcher selbst zu faul und zu dumm ist seinen Führerschein zu machen bezahlen ? Gute Scouts wie Eberl, Mislintat, Bobic, Manga, Krösche usw machen um solche Spieler einen großen Bogen da sie wissen, dass hier die Leistungsbereitschaft vollkommen fehlt.

        • Stellingen 88 6. Mai 2021 um 21:02 Uhr

          Ich halte Vagnoman für einen durchaus talentierten Außenverteidiger, der unter guter Anleitung sicher besser werden würde. Weltklasse wird es nicht, aber er könnte sicher deutscher Nationalspieler werden. Das Problem ist eben, dass beim HSV keiner besser wird…

          Ob 8 Mio gerechtfertigt sind? Keine Ahnung. Sind 80 Mio für Timo Werner gerechtfertigt?

          Führerschein? Echt, Du bist alt, ich bin alt. Heute ist das nicht mehr wichtig. Ich kenne etliche 2x-jährige, die keinen Bock auf den Führerschein haben und trotzdem fleißige und gute junge Leute sind. Es ist eben anders heute und er ist nicht automatisch zu faul und zu dumm. Marco Reus hatte auch keinen Führerschein und die meisten der von Dir aufgezählten Manager hätten den mit Kusshand genommen.

  4. Chrostian Totz 6. Mai 2021 um 09:50 Uhr

    Die Säulenspieler spielen gegen den Trainer und kosten den Verein 15 Mio.€ Fernsehgelder und nochmal xx Mio.€ Sponsoreneinnahmen wegen des verpassten Aufstiegs. Und Mutzel und Boldt haben das nicht nach 10 Spielen Negativserie gemerkt, sondern erst nach dem elften.

    Die Ungeheuerlichkeit an diesem Vorgang ist nicht die Dreistigkeit, mit der so ein Schwachsinn verbreitet wird, sondern dass viele Hüpfer das tatsächlich glauben und als rationale Begründung akzeptieren.

  5. Basti 6. Mai 2021 um 10:00 Uhr

    Hoffentlich lesen die richtigen Leute mal mit…
    Da stellt sich nur die Frage: Wer sind die richtigen Leute?

  6. Dennis61 6. Mai 2021 um 11:09 Uhr

    Moin! Ein bemerkenswertes Zitat des wohl zweitgrößten finanziellen „Missverständnisses“ seit Lasogga, Mr. Bobby Wood: „Es ist bekannt, dass innerhalb des HSV immer ein wenig Chaos und Unruhe vorhanden war“, sagt Wood. „Intern gab es leider immer viel Unruhe mit vielen Wechseln auf der Trainerbank und im Management. Da muss man im Kopf sehr robust sein.“ (Quelle: mopo.de)

    Da muss man nicht im Kopf robust sein, da muss man eine Feile im Kopf haben oder eben genug verdienen um bei diesem Karnevalsverein überhaupt anzuheuern. Wann war dieser Club das letzte Mal Sprungbrett für ein Talent? Hakan Calhanoglu fällt mir da ein und mit ganz viel Fantasie Fiete Arp. Wenn der HSV sich nicht grundlegend verändert, dann wird es auch keine grundlegende Veränderung geben. Klingt banal und das ist es auch. Strategie, Konzept, (Leistungs)kultur, klare Zielsetzung anstatt ständigem Rumgeeiere. Da wird ja selbst im Hamburger Amateurfußball konsequenter gearbeitet. Wenn man denn wenigstens noch einen Kultstatus wie der verhasste Stadtrivale hätte von dem man zehren könnte.

    Und zu Henrik kann ich nur Volker Struth zum Wechsel von Julian Nagelsmann zitieren:

    „Es ist das erste Mal, dass eine Summe in dieser Dimension für einen Trainer bezahlt wird. Ich denke, dass wir uns daran gewöhnen müssen.“

    und noch besser:

    „Mir wird in der Corona-Zeit der Fußball ein bisschen zu sehr demoliert. Ich fände es gut, dass man auch mal betrachtet, was der Fußball uns gibt. Der Fußball wird gelebt. Wir lieben diesen Sport und das System. Warum sind die Stadien voll, warum hängen die Menschen an den Fernsehern und warum ist der Fußball das Gesprächsthema Nummer eins?“ (Quelle: sport1.de)

    Mir kommen gleich die Tränen. Das können sich Normalsterbliche gar nicht ausdenken, was Leute wie Volker Struth für uns tun. Wir sorgen uns um die Gesundheit, um bezahlbaren Wohnraum, um finanzielle Sicherheit, machen uns Gedanken ums Klima, bangen um unsere Jobs, freuen uns über jeden der endlich geimpft ist, haben langsam aber sicher alle einen kleinen Hau von der Einsamkeit und Eintönigkeit, wissen nicht wohin mit unseren Gefühlen und Gedanken ob der ganzen Negativschlagzeilen, aber hauptsache der Ball rollt und die Millionen fließen. Das muntert die Erdbevölkerung doch gleich mal ein wenig auf. Haben die sich jetzt alle komplett die Brine weggesoffen oder schlechtes Koks gezogen?!

    Dein Fußball ist tot Junge!

  7. Goldfather 6. Mai 2021 um 14:38 Uhr

    Schaut man sich den Weg Tuchels mit Chelsea an und die aktuelle Situation des BVB dann wird schnell klar, warum es sinnvoll sein kann für einen Übungsleiter 20 Millionen € zu bezahlen.

    Sowohl bei Hannes Wolf, als auch bei Daniel Thioune, gehe ich persönlich davon aus, dass sie in der Zukunft gute Ergebnisse abliefern werden. Das Problem des HSV liegt in der Tat in der fehlenden Clubführung. Unter solchen Bedingungen hat kein Trainer eine Chance, da es immer Entscheidungen gibt die gegen die Interessen einzelner Spieler gerichtet sind.
    .
    Allerdings sind die Probleme des Clubs derart offensichtlich, dass man sich die Frage stellen sollte, ob nicht doch andere Interessen dahinter stecken. Anscheinend ist der Aufstieg in keinster Weise gewünscht.
    .
    Immer wieder wird gesagt, dass Klaus-Michael K. zufrieden in Schindellegi lebt und keine Ambitionen hat den Club als Mehrheitseigner zu übernehmen. Diese These halte ich für falsch und gehe vielmehr davon aus, dass aktiv daran gearbeitet wird den Club sportlich noch viel tiefer in die Scheiße zu reiten, um die Clubmitglieder spätestens in der dritten Liga dazu zu bekommen die fehlenden Anteile zu verkaufen.
    .
    Desweiteren gehe ich davon aus, dass es möglicherweise Spieler gibt die einen direkteren Draht zu einem Gefolgsmann Klaus-Michaels im Club haben als andere.
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    Grundsätzlich sehe ich nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Club wird von vollkommenen Idioten geführt die derartig debil sind, dass sie eigentlich konsequent neurologisch behandelt werden müssten, um halbwegs alltagstauglich zu sein. Oder aber, wir sind Zeugen einer feindlichen Unternehmensübernahme, die gnadenlos und langfristig solange durchgezogen wird bis die Besitzverhältnisse sich entsprechend verändert haben.
    .
    Ich persönlich tendiere zur zweiten Option.
    .
    Unter anderem weil ich davon überzeugt bin, dass es Traditionsclubs ohne Big Money im Profibereich nur noch schwer gelingen wird sportlich erfolgreich zu agieren. Der HSV ist mit seinem sozialen und wirtschaftlichen Umfeld ein echtes Sahnestück für einen Investor. Entgegen der landläufigen Meinung, dass Fußballinvestoren alle behämmert sind und nicht rechnen können bietet der Fußball eine Menge Möglichkeiten direkte oder indirekte Profite zu erwirtschaften.
    .
    Fußball ist ein wesentlicher Teil der weltweit agierenden Unterhaltungsindustrie sowie eine Plattform die insbesondere in Europa sogar als politische Plattform genutzt wird. Der HSV ist in seinem wirtschaftlichen Potenzial vergleichbar mit Manchester United, Ajax Amsterdam oder der ehemaligen politischen Plattform AC Mailand, die Silvio Berlusconi so wertvolle Dienste erwiesen hat. Dass es zudem mitlerweile enorme Summen im Bereich des organisierten Verbrechens gibt, die irgendwie verwaltet sein wollen, sollte jedem klar sein.
    .
    Nicht jede Milliarde die im Fußball landet stammt aus dem Ölgeschäft. Der europäische Drogenmarkt macht schätzungsweise 30 Milliarden € Umsatz. (Marktbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) für das Jahr 2017.)
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    Hinzu kommen entfesselte Finanzmärkte deren Anlagenotstand auf der einen Seite dem Wahnsinn und der Gier der Fußballfunktionäre auf der anderen Seite gegenüber steht. Stichwort: Strafzinsen.
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    Die altgediente Struktur des HSV mit seiner Mitgliederbeteilgung steht all diesen Interessen komplett entgegen und deswegen wird der Club geschliffen wie eine Burg im Mittelalter deren Bewohner sich nicht versklaven lassen wollten. Wie lange dieser Prozess noch gehen wird weiß ich nicht, da irgendwann der Punkt erreicht werden könnte an dem es sinnvoller wäre einen Plastikclub in Hamburg zu gründen.
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    Nur eines sollte niemand erwarten: Die Rückkehr des HSV zu Rum und Ehre als Club dessen Geschicke durch die Mitglieder bestimmt werden. Dazu hat sich sowohl das sportliche, gesellschaftliche als auch das wirtschaftliche Umfeld zu stark verändert.
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    Der HSV ist Geschichte.

    • Micha 6. Mai 2021 um 16:08 Uhr

      Ich fürchte, du misst diesem Verein noch viel zu viel Bedeutung zu, wenn du da irgendeinen Übernahmeplan vermutest. Es ist sehr viel banaler: es ist nur noch ein Umfeld aus Charakterschweinen vorhanden, das sich in bleischwerer Stagnation befindet, nachdem ein Milliardär, der sich jahrelang eingemischt, das Umfeld geprägt hat und auf peinlichste Weise gescheitert ist, das Interesse weitestgehend verloren hat (wie ein Großteil der Öffentlichkeit). That’s all! (Ausnahme natürlich Horst Hrubesch, der da überhaupt nicht rein passt, aber zum Einen sehr gut verdient und sich mit wunderbarer Freude die Zeit vertreibt, und zum Anderen ein Joker von (Witz)Boldt zur Rettung von dessen Posten ist.)

      • Goldfather 6. Mai 2021 um 19:18 Uhr

        Dazu folgendes:

        „Der FC Bayern München hat in der Saison 2018/19 sowohl den Umsatz als auch den Gewinn nachhaltig steigern können. Der Gesamtumsatz des Konzerns stieg von 657,4 Millionen Euro in der Saison 2017/18 auf 750,4 Millionen Euro in der Saison 2018/19. Das entspricht einem Wachstum von 14,1 % gegenüber dem Vorjahr.

        Analog hat sich auch der Gewinn in der abgelaufenen Saison entwickelt: Vor Steuern (EBT) beläuft er sich auf 75,3 Millionen Euro (Vorjahr: 46,2), nach Steuern beträgt der Gewinn 52,5 Millionen Euro (Vorjahr: 29,5). Das entspricht einer Steigerung von 63,0 % beim Gewinn vor Steuern und 78,0 % beim Gewinn nach Steuern gegenüber dem Geschäftsjahr 2017/18. Dies sind absolute Bestmarken in der Geschichte des FC Bayern. Das Eigenkapital des Konzerns FC Bayern München AG stieg auf 497,4 Millionen Euro.“ Quelle: FC Bayern

        ————————————————————-

        Daraus ergibt sich für den FC Bayern ein Wert der um die 4 Milliarden € geschätzt wird.
        .
        Nimmt man den HSV Umsatz 2018/19, der bei 126 Millionen € angegeben wird, und den Wert des Spielerkaders, der unterhalb von 10% dessen liegt was die Bayern aufrufen, sowie den aktuellen Verschuldungsgrad und die sportliche Perspektivlosigkeit hinzu dann würde es mich nicht wundern, wenn ein Investor für den ganzen Krempel inklusive der Schuldenübernahme vielleicht irgendetwas zwischen 50 und 100 Millionen € auf den Tisch legen würde.
        .
        Sollte die sportliche und wirtschaftliche Talfahrt weiter gehen in den Bereich der dritten Liga, wäre eine einfache Schuldenübernahme sicherlich das einzige was noch herauszuholen wäre. Zudem würden Schulden des Clubs bei verschiedenen Kreditgebern umgewandelt werden in neue Anteile an einer AG die mit einer Kapitalerhöhung einhergehen könnte. Das damit in Teilen die Rückzahlung entfallen würde, versteht sich von selbst.
        .
        Würde man nach dem ausschlachten der Clubleiche herangehen und einen ähnlichen Plan erstellen, wie ihn seinerzeit die TSG Hoffenheim mit Ralf Rangnick entworfen hat, wäre man in vielleicht zehn Jahren im oberen Drittel der Bundesliga und somit im internationalen Fußball zurück.
        .
        Aus einem Investment von anfänglich 50 – 100 Millionen € könnte innerhalb von zehn Jahren ein Wert von 1 bis 2 Milliarden € entstehen, sofern die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung professionell betrieben würde.
        .
        Nach der Überwindung der anfänglichen Gesellschafterstruktur wäre ein Gewinnpotenzial von 1000 – 2000% durchaus möglich. Und dafür steht auch ein Milliardär schon mal ein wenig früher auf.
        .
        Die aktuelle Bedeutung des Clubs bei den Fans ist vollkommen irrelevant, da entsprechendes Marketing in Verbindung mit sportlichen Erfolgen problemlos neue Konsumenten erzeugt.
        .
        Der HSV ist immer noch Big business, aber gänzlich anders als die meisten Leute sich das vorstellen.
        .
        Und natürlich ist Klaus-Michael nicht der einzige Investor der sich darüber Gedanken macht, aber vielleicht der skrupelloseste, zeichnet sich doch insbesondere das Speditionsgeschäft durch seine knallharten Geschäftspraktiken aus.

        • Dennis61 6. Mai 2021 um 21:17 Uhr

          Also doch „Super League“, ich hab‘s doch gewusst. Ziemlich interessanter Denkansatz von Dir. Darüber möchte ich gerne eine bisschen grübeln. Allerdings ist KlauMi schon alterlich sehr fortgeschritten. Ob der noch so weit in die Zukunft plant und zehn Jahre oder länger warten möchte/kann/wird. Man weiß es nicht. Trotzdem ein herzliches Danke für Deine heutigen Beiträge. Deswegen mag ich diese Seite so.

  8. atari 6. Mai 2021 um 19:11 Uhr

    Jetzt hat es auch Aogo erwischt. Die haben alle nichts zwischen den Ohren. Sie wollen alle TV machen aber labern sich um Kopf und Kragen wie auf dem Schulhof. Ein Haufen saudummer Millionäre.

    • Stellingen 88 6. Mai 2021 um 21:11 Uhr

      Das ist interessant. „…trainiert bis zur Vergasung…“ ist ja wohl das Zitat, das hier gemeint ist. Falls jemand gestern Abend „Maischberger“ gesehen hat, da war ein sehr interessantes Interview mit Sarah Wagenknecht dabei. Unter anderem ging es um pseudo Linke und den Umgang mit Begrifflichkeiten. Ist ein schönes Beispiel, was hier mit dem Aogo passiert. Der dürfte ja nun tatsächlich mal von jeder rechten Gesinnung freigesprochen sein…

    • HSVKritiker 6. Mai 2021 um 23:30 Uhr

      Warum hat Aogo nichts zwischen den Ohren? Vor 20, 30 oder 40 Jahren hätte kein Mensch in so einer Aussage etwas hineininterpretiert! Die in Deutschland immer heftiger betriebene Wort/Sprachdiktatur ist absurd bis krank. Und Sarah Wagenknecht ist in meinen Augen eine sehr intelligente Frau, ja sie ist vermutlich das Beste, was in der Politik tätig ist!

      • omnipräsent 7. Mai 2021 um 11:05 Uhr

        Ihre Aussagen zur Wort-/Sprachdiktatur und zu Sarah Wagenknecht unterschreibe ich vollumfänglich.
        Denn „Wenn man… ausländische Medien braucht, um die Wahrheit über das eigene Land zu erfahren, wohnt man entweder in Nordkorea oder in Deutschland.“
        Leider ist mir der Verfasser dieses Bonmots nicht bekannt.

  9. Profikommentator 6. Mai 2021 um 19:34 Uhr

    Laut besten Fußballblog Deutschlands – Quelle Insolvenzblogger – ist der wirklich auf Konstanz bemühte HSV an Jungsturmtalent Bakir vom BVB dran. Spannend.

    • Gravesen 6. Mai 2021 um 19:40 Uhr

      Nach „Matzab“ und der „Rautenperle“, die Scholle beide zu digitalen Erfolgen pushte

      😀 😀 😀 😀

      • Demosthenes 6. Mai 2021 um 21:23 Uhr

        Nicht zu vergessen, er hat sich „in mehr als 20 Jahren als HSV-Reporter bundesweit als Gast in renommierten TV-Sendungen einen anerkannten Namen gemacht.“

        Über 20 Jahre, bundesweit, renommiert, TV, anerkannt… aber sichi, der Mann ist ein echter Karrieretüp!

        • Gravesen 6. Mai 2021 um 21:26 Uhr

          Passt zu 100% zu „Marcell Jansen – Weltfußballer und Unternehmer“

          Der gesamte Verein und sein Umfeld sind eine einzige Mogelpackung

  10. Maddin 6. Mai 2021 um 20:01 Uhr

    Wenn Mitglieder einen Klötensalmling zu ihrem Präsidenten machen ist es eindeutig Option 1.

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