Boldt – HSV 3:0

Lieber Boldinho, Glückwunsch zum Hattrick. Drei neue Spieler geholt, zwei davon sogar in aller Stille und in letzter Sekunde. Damit hast Du jeden überrascht, wahrscheinlich sogar dich selbst. Leider sind die Vorstandsgranate und sein Putzerfischchen an der eigentlichen Aufgabenstellung haarscharf vorbei gerauscht. Also bitte nicht wundern, wenn sich die lautstark bejubelten Atom-Transfers als Eigentore entpuppen.

 

– Der HSV braucht dringend einen kreativen Mittelfeldregisseur und verpflichtet einen vierten Torwart.

– Der HSV braucht dringend einen knallharten Knipser und verpflichtet einen millionenteuren Innenverteidiger.

– Der HSV braucht dringend einen ballsicheren Flügelspieler und verpflichtet einen U21-Mittelfeldspieler.

 

Mal im Ernst: Für die Lösung dieser überschaubaren Aufgaben hatten MutzelBoldt nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch mindestens 7 Millionen Euro zur Verfügung, sofern die Summe aus dem Onana-Transfer korrekt ist. Was machten sie draus? Zwei Leihen und ein Ersatz-Torwart. Dazu die Abfindung für Leistner. Wie kann man nur dermaßen verkacken?

Oder legt man schon Geld für kommende Vorstandsabfindungen zurück? Das wäre natürlich weitsichtig.

Klar, wenn die Hamburger Sudelfedern von „Kroaten-Juwel“ und „Pep-Boy“ faseln, fangen alle Hüpfer vor Freude an zu sabbern. Die Balkan-Messis und Arsenal-Perlen sind ja längst vergessen. Und der gemeine HSV-Fan lebt eh nach der Devise, man frisst, was man kriegt (Stichwort: Stadion-Bratwurst). Alle anderen bleiben rat- und fassungslos zurück und fragen sich: Was muss man eigentlich tun, damit man in Hamburg gefeuert wird? Drei Nichtaufstiege in Folge verantworten, Lügen über Vertragsverhandlungen mit AS und Eintracht verbreiten sowie Millionen und Abermillionen mit sinnlosen Transfers und Ablösen verschwenden reicht offenbar nicht aus. Von fehlenden Philosophien und Spiel-Konzepten gar nicht zu reden. Besonders Beiersdorf, Bruchhagen und Hoffmann wundern sich, muss Judas erst gegen Uwes Mauke pinkeln oder gar den Dino erschießen?

Ein Nebensatz noch zum Spitzentransfer Johannson: Angeblich hat Super-Judas Malmö von 900.000 auf 600.000 Euro runtergehandelt, was seltsam ist, da alle schwedischen Zeitungen von 9 Mio Kronen berichten und das sind etwas über 880.000 Euro. Aber egal.

Vielleicht bin ich auch nur zu doof, die Genialität dieser Transfers zu kapieren.

Vielleicht haben Billig & Willig, äh, Boldt & Walter hier The Next Big Thing und erfinden den Fußball neu.

Vielleicht werden wir ja alle Zeuge einer Revolution.

Man muss nur Geduld haben. Zwinkersmiley

Ich spinn jetzt mal: Walter erfindet das System 1-6-1-3 mit zwei Torhütern (das erklärt auch die vier Keeper). Der erste Torwart steht auf der Linie, davor stabilisieren sechs Innenverteidiger die wackelige Abwehr dermaßen, dass auf Außenverteidiger komplett verzichtet werden kann. Vor diesem Defensiv-Boldtwerk (© JB) steht der zweite Torwart quasi als 1B. Das ist geradezu genial, denn so können die vielen Rückpässe auf den Torwart jetzt nach vorn gespielt werden. Und dahinter warten dann drei freiziehend abkippende Mittelaußenzentrums-Stürmer, die die Dinger nach Lust und Laune reinkloppen. Hach, das wird ein Fest! Hinten zu Null, vorn Klingelbingo – das riecht nach Aufstieg. Ach was, das riecht nach Durchmarsch. Also nach Europa, nicht das, was Sie jetzt denken.

Wenn das der Plan ist, haben MutzelBoldt ganze Arbeit geleistet. Damit hat nun wirklich kein Gegner gerechnet. Und wenn Wettstein das patentieren lässt, wird der HSV auch noch reich damit. Super League, wir kommen!

Ich liebe das Märchen vom Ausbildungsverein, das gerade genauso euphorisch abgefeiert wird, wie letztes Jahr die Säulenspieler und davor das Gesamtkonzept Schnappi. Wen will Walter denn ausbilden, etwa die jungen Leihspieler von anderen Vereinen? Na, die werden sich freuen. Motto: Wir investieren, die kassieren. Ein reiner Weltplan von MutzelBoldt. Führt ganz sicher Richtung Aufstieg. Blöd nur, dass der HSV am Ende leer ausgeht. Weder Hüpfer noch Aufsichtsrat scheinen das zu kapieren. Freie Bahn für Boldt & Bande. Aber total töfte, dass jetzt ein Fanvertreter im AR sitzt. Das hilft.

Wo ist eigentlich Präsident Pinselreiniger, spielt er noch Tennis mit dem irren Iwan auf Malle oder hat er schon die Schlüssel für die Stutzhaldenstraße?

Zum Schluß noch ein unterhaltsamer Netzfund von 2019: Streiche VfB, setzte HSV und es macht was mit Dir.

 

HSV-Haiku zum Wochenende:

Die Quelle der Wohlfühloase;

liegt auf der Teppichetage.

Weich.

 

Von | 2021-09-04T09:06:46+02:00 3. September 2021|Allgemein|11 Kommentare

11 Comments

  1. Revi+22 3. September 2021 um 08:55 Uhr

    „Sudelfedern“….. einfach köstlich!!!!

  2. Gravesen 3. September 2021 um 09:06 Uhr

    Aber plötzlich und wie von Zauberhand ist man in der Ecke der Dämlichkeits-Hüpfer mit genau dem zufrieden und „fein“, was man all die Jahre verpönt hat. MUSSTE man gestern noch zwingend aufsteigen, weil der große HSV doch in der Bundesliga vermisst wurde, nimmt man nun mit Freude weitere 3-14 Jahre in der zweiten Liga in Kauf, wenn man doch nur die Talente anderer Klubs ausbildet, während die eigenen Nachwuchs-Maltafüße auf Bank und Tribüne vergammeln. Kein Argument ist diesen Vollpfosten zu hohl, als das sie es nicht als Entschuldigung für den arrogantesten und unfähigsten Sportchef aller Zeiten und den cremigsten Präsidenten des Planeten heranziehen würden. Doch warum tun die das? Glauben sie den Scheiß tatsächlich, den sie täglich absondern? Einige wohl schon, denn denen fehlt schlicht und ergreifend das Gehirn, um die Situation zu begreifen. Andere wiederum wollen partout nicht zugeben, dass die Kritiker all die Jahre recht hatten. Fragt sich nur, welches die krankere Truppe ist.

  3. Ex-HSVer+im+Herzen 3. September 2021 um 09:45 Uhr

    Schöner Blog. Sehr eloquent formuliert mit einer gewissen Rotzigkeit. 👍🏼

    Was vielleicht mal ein schönes Blogthema wäre: wieso wird der HSV noch von so vielen als „wichtig“ und „großer Verein“ betrachtet. Das lese ich immer wieder auch abseits der Hüpfer-Fraktion. Vielleicht wäre mal eine Umfrage unter den Hüpfern sinnvoll. Würde mich echt interessieren. Aber das ist nicht nur in Hüpferkreisen so. Die TV-Sender bevorzugen den HSV bei Ansetzung der Spitzenspielen (Mo, jetzt Sa.), das Stadion ist nach wie vor viel zu voll für die Grütze, die seit 10 Jahren abgeliefert wird, die Sky/Etc. Kommentatoren lassen das auch immer wieder durchklingen.

    Wäre echt mal interessant.

    • jusufi 3. September 2021 um 09:59 Uhr

      Der HSV ist kein großer Verein mehr im sportlichen Sinne, aber ein prominenter Name. Da es bei Spielansetzungen vor allem um Einschaltquoten geht, werden Spiele mit Beteiligung des HSV, Schalke oder Werder bevorzugt.

      • Ex-HSVer+im+Herzen 3. September 2021 um 10:43 Uhr

        Aber warum? Beim Anschauen eines Spiels geht es doch um guten Fußball und nicht irgendeinen Namen. Bei Schalke und Werder ist ja noch nicht allzu lange her dass sie guten Fußball gespielt haben und international dabei waren. So wie bei der ersten Zweitliga Saison des HSV. Aber beim HSV müsste das doch nun mittlerweile wirklich mal abgeflacht sein

  4. Basti 3. September 2021 um 10:06 Uhr

    Und Himbeer-Toni hat alles richtig gemacht! Abfindung kassiert und zack neues Gehalt läuft schon.
    Und Judas hat wieder alles falsch gemacht! Abfindung ausgeben und zack wieder verarscht worden.
    Und wen interessiert’s?

    https://hsv24.mopo.de/2021/09/03/neuer-verein-ex-hsv-trainer-holt-toni-leistner.html

  5. Gravesen 3. September 2021 um 14:24 Uhr

    Man kann sicher sein, dass es sich für den Berater gelohnt hat

    „Mein Berater hat mir dazu geraten, nach Hamburg zu gehen, da es gut für meine Entwicklung sei“, sagte der 19-Jährige: „Es ist jetzt so, wie es ist und ich bin froh drüber, hier zu sein.“ Er fühle sich „geehrt, bei so einem großen Club zu sein. Meine ersten Eindrücke sind großartig“.

    Ob Vuskovic mit der Kraft des doppelten Ramos dem HSV künftig zu noch mehr Siegeswillen verhelfen wird, wird sich zeigen.

    Ob die Schwachköpfe vom Auftragsblatt nicht irgendwann mal über sich selbst lachen müssen?

  6. Goldfather 3. September 2021 um 14:50 Uhr

    Quality time – der Blog und das Video dazu machen etwas mit mir.
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    Die Antworten der VfB-Fans im Video halte ich für Hamburger Verhältnisse für viel zu differenziert und klug. Die Leute in Stuttgart und Umgebung haben deutlich mehr Ahnung vom Fußball, als die Leute in Hamburg.
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    Um ein Ausbildungsverein zu werden, der effizient arbeitet und Spieler ausbildet, die in der ersten Bundesliga wettbewerbsfähig sind, braucht es tatsächlich zunächst einmal das Bekenntnis der Clubführung und danach eine klare Ausrichtung die sich von der U7 bis in den Profikader zieht.
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    Ich bezweifle, dass Klaus-Michael die Geduld und Zeit besitzt sich Gedanken über Ausbildungsinhalte und regionales Scouting im Kinder- und Jugendbereich zu machen.
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    Doch leider ist es so, dass man sich über die Passqualität der U7 bereits Gedanken machen sollte, um geeignete Spielformen zu finden die Spaß machen und mit denen man Verbesserungen erzielen kann die dazu führen, dass sogar die Spieler des HSV-Profikaders in etwa 15 Jahren in der Lage sein werden ein sauberes und schnelles Passspiel aufzuziehen.
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    Klaviervirtuosen fangen auch nicht erst mit 15 Jahren an, sondern wesentlich früher. Mit Hilfe von fähigen Fußballlehrern und guten Pädagogen könnte der HSV seinen Profikader eines Tages mit schnellen und passsicheren Spielern geradezu fluten.
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    Aktuell besteht das Profi-Team weitestgehend aus Spielern die, gemessen an internationalen Maßstäben, nicht in der Lage sind einen sauberen Pass zu spielen. Unter Gegnerdruck bricht das HSV-Aufbauspiel spätestens nach der zweiten Station komplett zusammen.
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    Die Trainingsinhalte fast aller HSV-Trainer der letzten Jahren sind nie darauf abgestimmt gewesen, dass die HSV-Spieler lediglich rudimentär in der Lage sind ein Aufbauspiel mit sauberen, schnellen, präzisen Flachpässen durchzuführen.
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    Die Qualität der fußballerischen Fertigkeiten des HSV-Profikaders sinkt von Jahr zu Jahr, was nicht nur mit fehlenden Investitionen am Transfermarkt zu tun hat, sondern im wesentlichen dadurch entsteht, dass man im Club komplett ahnungslos agiert und es nicht hinbekommt Spieler auszubilden denen man so etwas wie eine fußballerische DNA ansieht, wenn sie einen einfachen Ball annehmen und weiterspielen.
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    Einem Ajax-Spieler oder einem spanischen Auswahlspieler sieht man bereits nach zwei bis drei Bewegungen und Pässen an wo er ausgebildet wurde.
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    Beim SC Freiburg ist übrigens mittlerweile zum relativ guten Kurzpassspiel eine außerordentlich gute Athletik und robuste Zweikampfstärke hinzugekommen. Daran kann man sehen, dass der Club sich tatsächlich Gedanken macht über Schwachpunkte und diese gezielt im Jugendbereich und auf dem Transfermarkt behandelt.

    • BesuchausdemSüden 3. September 2021 um 16:00 Uhr

      In Stuttgart versucht man gerade diesen Weg mit jungen Spielern wieder zu gehen. Im Sommer wurden u.a Wahid Faghir ( 18), Ömer Beyaz ( 18) , Enzo Millot ( 19) und noch ein paar andere junge Spieler für die U -Mannschaften verpflichtet. Nach 2 Abstiegen und Millionenverlusten u.a. durch die Gehälter von „Säulenspieler“ gab es keine andere Alternative mehr.
      Ob dieser Weg nachhaltig erfolgreich sein wird kann man aber noch nicht absehen. Sollte sich der sportliche Erfolg nicht einstellen wird auch dort das Umfeld schnell unruhig.

  7. ottensener 3. September 2021 um 17:23 Uhr

    Der g r o ß e HSV wirkt einfach: https://www.bild.de/sport/fussball/fussball/hsv-mario-vuskovic-olic-hat-vom-hsv-geschwaermt-77576568.bild.html

    „Vuskovic: „Es ist ein großer Verein. Hier haben Mladen Petric und Ivica Olic gespielt, das sind Legenden in meiner Heimat.“

    Die Strahlkraft ist ungebrochen! Die Legende lebt! Egal in welcher Liga! 😀
    Damit muss man einfach fein sein! 😀

    • Nichtkunde 3. September 2021 um 17:42 Uhr

      Ich hoffe mal, dass es sich dabei nur um die üblichen PR-Floskeln handelt, und der Junge seine Karriereplanung nicht wirklich von Aussagen von Leuten beeinflussen lässt, die, abgesehen von einem unglücksseligen Kurzzeitcomeback auf Leihbasis, dass wohl alle Beteiligten lieber verdängen würden, seit 12 Jahren beim betreffenden Club raus sind.

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