Post-Kühne Stresstest?

Dieser Verein macht mich Karussell in meine Kopf. Ein Abstieg, der auch im vierten Jahr Zweitliga-Zugehörigkeit nicht wiedergutgemacht ist. Ein Finanzvorstand, der auch mit dem achten Millionen-Minus in Folge unangefochten im Sattel sitzt. Ein Sportvorstand, der seine Konzepte, Säulenspieler und Trainer schneller wechselt, als Sylvie ihre Stecher. Ein Ex-Vorstandsvorsitzender, der von genau den Menschen aus dem Amt gemobbt wurde, die er vorher in selbiges gehievt hatte. Ein Präsidium, dass sich dank hinterfotzigster Presse+Präsi-Intrigen in freiem Fall selbst zerlegt. Eine Kandidatenauswahl, die keine war. Ein Beirat, der im Hinterzimmer kungelt. Eine Wahl mit einer Wahlbeteiligung von 0,47 Prozent. Ein Wahlsieger, gewählt mit 267 von 83.000 Stimmen. Aufsichtsratsreformen, Strategieausschüsse, Fanbeteiligung,… je länger man sich mit der Situation des HSV befasst, desto unschärfer wird das Bild.

– Bereiten Jansen und Wettstein den Aktienverkauf von mehr als 24,9% vor?

– Kauft Kühne die Anteile und vielleicht sogar den ganzen Verein?

– Oder steckt da noch ein ganz anderer Plan und ganz andere Personen dahinter?

Intrigen, Pläne, Namen, Posten, Zahlen, Gedanken, alles schwirrt umher und bildet eine total verquirlte Gesamtsituation, die sich jeder erkennbaren Logik entzieht. Vielleicht hilft es, sich ein paar der Hauptakteure genauer anzusehen. Starten wir heute mit zwei Personen, die den Verein geprägt haben wie kaum ein anderer, obwohl sie mit der sportlichen Seite gar nichts zu tun haben:

 

Klaus Michael Kühne

Der geriatrische Paradeschurke in seiner Rolle als Richelieuhafter Strippenzieher im Alpenhintergrund. Aber ist er das wirklich? Die zentrale Frage lautet doch wohl: Was will der 84jährige Weiße Riese eigentlich noch mit dem Verein? Geht es nur um ein fast kindisch anmutendes „Haben wollen“ oder steckt in Wahrheit ein strategisches Ziel dahinter? Und wenn ja, welches? Um Profit geht es jedenfalls nicht und das allein ist bei KMK schon mehr als verwunderlich. Investiert er all die Zeit und das Geld wirklich nur für sich? Eines ist sicher, für seine Kinder tut er das nicht. Und irgendwann wird auch die Frage nach dem Alter und dem werten Gesundheitszustand relevant. Also was hat der Schlips-Babo der Stutzhaldenstraße wirklich vor?

Hinzu kommt: Die HSV-Aktien gehören gar nicht Kühne persönlich, sondern der Kühne Holding. Die ist zwar im alleinigen Eigentum von Klaus Michael Kühne, aber der Executive Chairman heißt Karl Gernandt. Grund genug, sich auch den Herren mal genauer zu betrachten.

 

Karl Gernandt

Gernandts offizieller Werdegang lautet so:

Nach dem Betriebswirtschaftsstudium an der Universität St. Gallen begann Karl Gernandt seine Karriere bei der Deutschen Bank. Weitere Stationen waren die Unternehmensberatung A.T. Kearney mit dem Schwerpunkt Strategieprojekte im Finanzbereich, die Alsen AG und Holcim, zuletzt als CEO der Region Western Europe. Von 2009 bis 2011 war Karl Gernandt Delegierter und von 2011 bis 2016 Exekutiver Präsident des Verwaltungsrats der Kühne + Nagel International AG, seit 2016 ist er Vizepräsident. Außerdem ist er Executive Chairman der Kühne Holding AG, Stv. Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hapag-Lloyd AG sowie Mitglied des Aufsichtsrats der SIGNA Prime Selection AG.

Soweit der offizielle Text. Eins ist sicher, der gute Mann kann Multitasking: Executive Chairman der Kühne Holding AG, Vice Chairman im Board of Directors der Kühne & Nagel International AG und Sitz im Stiftungsrat der Kühne Stiftung, die das Erbe des irren Iwan dereinst verwalten wird. (Da findet man u.a. auch zwei Ex-Senatoren, Dräger und Peiner, aber das nur nebenbei.) Als Chef der Holding hat er das Sagen bei dem 20%-Anteil der HSV AG. Dazu ist er Vice-Chairman des Board of Directors Hapag Lloyd AG, an der Kühne 30 Prozent hält, Präsident des Verwaltungsrats der Hochgebirgsklinik Davos AG sowie der HELP AG, einer internationalen Organisation im Bereich der Humanitären Logistik und, seit 2009, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung der deutschen Logistik.

Diesen Mann umtriebig zu nennen, wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Der KlauMiphile Karl ist die zentrale Figur im Kühniversum und einer der treuesten und engsten Vasallen des Logistik-Moguls. Soweit kommt man nur mit bedingungsloser Loyalität und dem uneingeschränkten Wohlwollen von Frau Christine Kühne.

Beim HSV ist Gernandt kein Unbekannter. Er war eines der Gesichter von HSV+ und einer der Hauptinitiatoren der Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Aktiengesellschaft. Von Juli 2014 bis Februar 2018 war er Mitglied des Aufsichtsrats der HSV Fußball AG, bis Dezember 2016 sogar dessen Vorsitzender. Von dem Vorsitz trat Gernandt im Dezember 2016 aufgrund von Indiskretionen (Maulwurf-Affäre) innerhalb des Rates zurück, blieb dem Gremium aber als ordentliches Mitglied treu, bis er dann am 6. Februar 2018 endgültig ausschied.

Tatsache ist, Karl Gernandt ist ein vielseitig talentierter Mann. Wovon er aber leider gar keine Ahnung hat, ist das Profifußball-Business, denn er war noch nie in irgendeiner operativen Vereinsfunktion tätig. Und damit reiht er sich nahtlos ein in den Gesamtdefekt HSV Fußball AG.

Denn Tatsache ist auch, dass der Verein von Losern geleitet wird. Oder wie soll man es sonst nennen, wenn sich das Führungspersonal so zusammensetzt:

– Ein Präsident, der als Spieler bei Bayern München nach nur einem Jahr geschasst und von Kalle Rummenigge als Fehleinkauf bezeichnet wurde.

– Ein Sportvorstand, der, obwohl bei Leverkusen eigentlich als Völler-Nachfolger aufgebaut, dort vom Hof gejagt wurde.

– Ein Finanzvorstand, der seine vorherigen Vereine 1860 und Alemannia Aachen in die Insolvenz beraten hat.

Es ist schwer vorzustellen, dass diese Fliegengewichte wirklich die starken Männer im Verein sind. Wohl eher Strohmänner. Das Sagen haben Kühne und sein Adlatus Gernandt. Und da es nicht ganz weltfremd ist, davon auszugehen, dass die Zeit den Alten vom Berg irgendwann aus dem Spiel nimmt, drängt sich eine Frage geradezu auf:

Kann es sein, dass es gar nicht mehr um Kühne geht, sondern um das, was nach ihm kommt? Und wer wird dann der neue starke Mann im Hintergrund?

Ehrlich gesagt, ich bin nach diesem Blog kein bisschen schlauer. Sorry, liebe Leser. Aber vielleicht habt Ihr ja Ideen, dann Feuer frei in den Kommentaren.

Und für alle, die mit ihren Erkenntnisse lieber privat bleiben möchten, hier unser Whistleblower-Zugang: hsv-arena@gmx.de.

Von | 2021-09-18T08:39:17+02:00 14. September 2021|Allgemein|19 Kommentare

19 Comments

  1. St. Patrick 14. September 2021 um 08:38 Uhr

    Moin!
    Ohne irgendwelche belastbaren Hinweise sagt mein Bauchgefühl, dass es (zumindest bis zum jüngsten Stadiondeal) um die langfristige Perspektive des Zugriffs auf Grund und Boden in attraktiver Größe und Lage zur Autobahn ging. Für Logistikunternehmen wären das absolute Filetstücke. Und der ehemalige Finanzsenator Peiner hatte in dieser Funktion detailliert mit städtischen Grundstücks-Deals zu tun. Da existiert sicherlich ein gutes Netzwerk für Hinterzimmer-Aktivitäten…

  2. Kevin allein in Hamburg 14. September 2021 um 08:47 Uhr

    Das ist alles durch dekliniert…………………
    Gernandt ist ein Blender und Schwätzer vor dem Herrn, oder wie man Zivilversager freundlich bezeichnet.
    Der Typ ist die personelle Inkompetenz auf 2 Beinen.

  3. Julia 14. September 2021 um 09:17 Uhr

    Es geht doch schon lange nicht mehr um Kühne. Kühne hat in den letzten Jahren weit über 100 Mio. in den HSV gesteckt, und aus seiner Sicht ist eigentlich nur noch relevant, wieviel er von dem Geld wiedersieht. Es sind noch Darlehen offen, und er hat das Aktien-Paket, allerdings zu Preisen gekauft, als der Wert des HSV noch mit 250-300 Mio. taxiert wurde. Das einzige, was heute noch einen Wert verkörpert, ist die Marke HSV. Ansonsten ist der Verein personell, strukturell, finanziell und sportlich ausgeblutet. Niemand würde auf der grünen Wiese einen Fußball-Club errichten mit Boldt, Wettstein, Jansen & Co. an der Spitze, den aktuellen Strukturen und dem zusammengewürfelten Haufen von Malta-Füssen.

    Wenn Kühne etwas ändern wollte, müßte er zumindest auf eine Sperrminorität (25% der Aktien) kommen. Dieser Weg ist aktuell versperrt. Alternativ könnte er warten, bis der HSV abgewickelt ist und die Ruine günstig aufkaufen. Das kann dauern, v.a. wenn sich Hamburg weiter einbringt.

    Bleibt also nur ein neuer Investor oder eine Investorengruppe. Z.B. ein Windhorst oder eine Heuschrecke oder ein Firmenkonsortium. Die kriegen aber aktuell auch nur max. 25%, denn mehr als 50% darf der HSV nicht emittieren. Das Interesse neuer Investoren ist Einfluß und Rendite. 25% der Stimmen ist recht wenig Einfluß, ein Kühne mit fast dem gleichen Einfluß würde stören und Rendite-Möglichkeiten ergeben sich erst wieder in der ersten Bundesliga auf den vorderen Rängen. Dazu muß man auf dem Platz aber was bringen, gut wirtschaften und ein paar Transfers finanzieren. Allerdings würde ein neuer Investor wohl kaum auf der alten Bewertung von 300 Mio. (100% der Aktien) zeichnen und mal eben 75 Mio. oder mehr hinlegen, damit alles so bleibt wie es ist. Daran würde auch eine Umwandlung der HSV AG in eine HSV GmbH & Co. KG a.A. nichts ändern, weil der HSV nicht mehr 300 Mio. wert ist.

    Damit gibt es nur eine Lösung: Kühne und die Minderheits-Aktionäre geben ihre Anteile an einen neuen Investor ab, der dem HSV genehm ist, und der neue Investor bekommt zusätzlich neue Aktien gegen Geld. Und dieser neue Investor, der dann bis zu 49% der Stimmrechte hält, wird schon seit Jahren gesucht. Das Problem besteht darin, daß der HSV jeder Aktienübertragung zustimmen muß und die Interessen-Lagen nicht wirklich miteinander kompatibel sind. Schließlich geht es darum, die Interessen der Mitglieder (m/w/d), der Gremien und Organe und der Investoren unter einen Hut zu bringen. Und da ist die Not noch nicht groß genug, und das Elend zieht sich. Aber im Prinzip gibt es nur diese Lösung: Kühne zieht sich zurück, ein neuer Investor kommt, und dann wird auch feucht durchgewischt. Die Alternative ist der totale Absturz, denn aus eigener Kraft kommt der HSV nicht mehr aus dem Loch.

    • Demosthenes 14. September 2021 um 10:37 Uhr

      Das klingt sehr plausibel. Allerdings darf man die Marke HSV nicht unterschätzen. Aktuell steht sie zwar eher für selbstoptimierendes Laien-Management und Luschen-Fußball, aber auf lange Sicht könnte sie sehr attraktiv werden, man denke nur an den milliardenschweren asiatischen Markt. Da hat der HSV eine große Strahlkraft und ein erhebliches Erlöspotential. Oder glaubt hier jemand ernsthaft, das in Sachen fortschreitende Kommerzialisierung, 50+1 und Super-League schon das letzte Wort gesprochen ist? Ich nicht.

      • BesuchausdemSüden 14. September 2021 um 14:01 Uhr

        Wer in Asien kennt denn bitte den HSV ? Bei meinem letzten Besuch hab ich dort ein paar Bayerntrikots an der Stange hängen gesehen ansonsten war alles voll mit den berühmten PL Clubs. Die deutschen Vereine haben dort keine Strahlkraft und wenn es je ne SL gibt dann höchstens mit Bayern , Dortmund und ggf. Leipzig. Der Rest kann sich das abschminken egal ob Erstligist oder maroder Traditionsverein in der zweiten Liga . Sofern sie dann überhaupt noch in der 2. Liga sind und nicht den Weg von 1860 gegangen sind . München kennt auch die ganze Welt aber sicher nicht 1860 mit nem reichen Investor vom Golf im Hintergrund.

      • Ex-HSVer+im+Herzen 14. September 2021 um 15:47 Uhr

        Woher bist du dir sicher, dass dieser Verein noch eine hohe Strahlkraft hat? Ich glaube, die Marke im Ausland wird total überschätzt. Was interessiert es die Chinesen, die erst seit knapp 20 Jahren wirklich Interesse am Fußball haben, was dieser Verein vor 40 Jahren mal erreicht hat.

      • Nichtkunde 14. September 2021 um 16:45 Uhr

        Hat die Marke HSV wirklich noch, erst recht international, diese Strahlkraft, die ihr häufig attestiert wird?

        Wirkliche sportliche Erfolge liegen knapp vier Jahrzehnte zurück, und selbst Achtungserfolge, sowie Spieler, die zumindest in einzelnen Ländern Aufmerksamkeit erregten (letztes Beispiel dürfte Son gewesen sein), sind nur noch verblassende Erinnerungen.

        Okay, es gibt die einst nicht zuletzt aus gemeinsamer fragwürdiger Weltanschauung erwachsenen internationalen „Fanfreundschaften“ mit dem sektiererischen Quisling-Club aus Glasgow und Belfast

        Gut, Dänemark vielleicht noch, aber Jütland ist ohnehin mehr Hamburger Vorort als weite Welt, und die Verbrüderung von sonst so vehement „gegen den modernen Fußball“ argumentierenden Teilen der HSV-„Szene“ mit dem Anhang des Retorten-Clubs aus Kopenhagen ist ein Kuriosum für sich.

        Stichwort Kuriosum: Mehr als das sind irgendwelche von ausgewanderten Fans oder vereinzelten Anhängern anderer Clubs, deren „Starspieler“ es mal zum HSV verschlug, gegründeten Fan-Clubs im Ausland ebenfalls nicht. Taugen vielleicht als Sujet für heimelige Artikel, mit denen die Boulevardpresse im Sommerloch die Seiten im Sportteil füllen kann, aber eine wirkliche Relevanz haben sie nicht.

        Lange Rede, kurzer Sinn: Wirklich ein Begriff, erst recht ein positiv besetzter, ist der HSV international nur noch den Älteren.

        Und da liegt der Knackpunkt:

        Der asiatische Markt hingegen ist jung und überwiegend „casual“. Da wird i.d.R. „supportet“, was aktuell erfolgreich ist. Die ganz großen „household names“ können da auch mal ein paar schlechte Jahre überstehen, aber zu denen gehörte der HSV selbst in seinen glorreichsten Zeiten Ende der 70er / Anfang der 80er nie so ganz. Dafür, sich als solcher zu etablieren, hätte es einer längeren Phase des internationalen Erfolges bedarft.

        Der weltgewandtere Teil der aufstrebenden Mittelschicht Asiens, die aktuell die vielversprechendste Zielgruppe für das Produkt Profifußball darstellt, kann im besten Fall noch etwas mit Hamburg als Stadt bzw. Handesknotenpunkt anfangen, aber das war es dann auch.

        Für ein ambitioniertes Fußballprojekt mit Fokus auf internationale Vermarktbarkeit ist am Standort Hamburg mMn. ein neuer Club die einzige erfolgversprechende Option.

        Der HSV ist die institutionalisierte Erfolgsverhinderung, ein organisatorischer Albtraum und imagetechnisch komplett verbrannt.

        Pauli… Nun ja… Wirtschaftlich solide, Marketing top, und der „alternative“ Ansatz funktioniert in vielen Fällen überraschend gut (auch wenn manches hier auch unter den Punkt veschicktes Marketing fällt), aber fraglich, ob die im tiefsten Inneren – entgegen ihrem Selbstbild – extrem konservative Basis den Mut und die Flexibilität aufbringen könnte, die nächsten Schritte in Angriff zu nehmen. Und diesen Kampf müsste man, mit ungewissem Ausgang, ein ums andere Mal ausfechten. Senkt die Attraktivität deutlich.

        Bleibt die Option „Neubau“. Gerne etwas stilvoller als die Doomsdaykapitalisten von Red Bull mit ihren gekauften Lizenzen und der anschließen Tilgung der Clubhistorie (Salzburg) bzw. Entsorgung des Lizenspenders (Markranstädt). Warum nicht ein paar der größeren Amateurclubs als Unterbau ins Boot holen und das dänische Modell praktizieren? Hopp mag mit der Idee einst gescheitert sein, aber der Blick gen Norden zeigt, dass es bei richtiger Umsetzung funktioniert. Mit klar kommunizierter Zielsetzung sollte man so auch für potentielle Sponsoren und Investoren interessant sein.

  4. Hopi 14. September 2021 um 10:09 Uhr

    Kühne investiert in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens in Hamburg z.B. auch in die Elphi. Ähnlich wie Hopp in Hoffenheim. Man kann eventuell davon ausgehen, dass er selbst tatsächlich als Mäzen etwas von seinem Reichtum wieder an die Allgemeinheit zurück geben will.
    Gerade beim HSV hapert es dann wohl leider an der Umsetzung. Da waren sowohl seine personellen Entscheidungen als auch die mehr oder weniger unverhohlenen finanziellen Daumenschrauben dann irgendwie doch nicht geeignet, einen solchen Katastrophenverein auf eine professionelle Spur zu setzen.
    An eine Gewinnerzielungsabsicht bei seinen Investments in den HSV kann ich nicht glauben, als größter Gläubiger hätte es für ihn doch schon reichlich Gelegenheiten für ‚feindliche Übernahme‘ gegeben. Kerberos hat ja hier des öfteren die finanziellen Abhängigkeiten beleuchtet.
    Auch sein jüngstes Interview mit dem HA liest sich für mich nicht wie eine Stellungnahme eines Großinvestors zu seinem Unternehmen sondern eher wie ein trauriger Blick zurück auf eine gescheiterte Herzensangelegenheit…
    Tragisch, irgendwie.

  5. HSVHannoveraner 14. September 2021 um 10:31 Uhr

    Danke für die Eröffnung der Diskussion,
    vielleicht können wir in x Jahren auf diesen Blog zurückblicken und lesen, dass es irgendwie erahnbar war. Vielleicht führt auch die Diskussion hier zu einer passenden Theorie?

    Ich versuche es (ohne Background-Wissen) mit „Keep it simple!“ und bemühe mich die Motivation der Protagonisten zu erahnen:

    1.) Kühne

    Stinkend reich, als „Preis“ für die Steuerflucht in der Heimat aber wenig gut gelitten. Was treibt jemanden an, der sich jeden materiellen Wunsch erfüllen kann?
    Meine Idee: Macht & Ansehen
    Macht hat er im Betrieb schon ewig, nun tanzen seit Jahren beim HSV alle nach seiner Pfeife. Nice to have, ja, aber nix Neues.

    Vielleicht auch die „Mindestdosis“ – und was gibt den Extra-Kick?

    In die Geschichte eingehen, als derjenige, der den HSV zurück zu altem Glanz geführt hat, vielleicht ins Goldene Buch der Stadt (gibt es das in HH?), öffentliche Ehrungen….etwas hinterlassen, was das eigene Dasein überdauert – positiv in Erinnerung bleiben. Das rockt – glaube ich!

    2.) Gernand

    Ohne selbst das Kapital zu haben, die Rolle des Kapitalisten spielen, vermutlich gut bezahlt. Als rechte Hand des Patron alles tun und unersetzlich werden.
    Tatsächliches Ziel: Den Patron zu überdauern und auch unter den Erben die Fäden in der Hand behalten, als eine Art Truchsess. So lief das bei einer alten Industrie-Dynastie im Nachkriegs-Deutschland (Berthold Beitz bei Krupp): Die (namensgebenden) Erben kannte kaum ein Mensch, der Beitz war untrennbar mit dem Konzern verbunden.

    Dabei noch Fußball-Manager spielen. Auch sehr geil.
    Aber nicht zwingend: Wenn der Patron ins Synchronspringen einsteigen würden, dann halt dort an die Regler.

    3.) Janssen

    Was tun, mit Anfang 30, nach der aktiven Zeit im Fußball? Am besten dort bleiben! In keiner anderen Branche bringt die aktive Laufbahn einen derartigen Startvorteil! Warum also umschulen? Netzer, Hoeness, Zorc, Eberl & Co habe vorgemacht, dass man jahrelang exponiert und gut bezahlt arbeiten kann – ohne den Wohnort zu wechseln.

    4.) alle anderen: Fürstlich honorierten Job behalten so lange es geht – wie auch vielen HSV-Spielern ist ihnen klar: Das Geld, verbunden mit der Lebensqualität, gibt es im Leben nicht mehr woanders.

    • Demosthenes 14. September 2021 um 10:42 Uhr

      Das Beispiel Beitz finde ich sehr passend.
      Punkt 4 wird ja schon seit Jahrzehnten in St. Ellingen praktiziert.

  6. Gravesen 14. September 2021 um 15:22 Uhr

    Der Toilettenreniger meint also tatsächlich, er hätte einen „guten Namen“ 😀 😀 Der Geisteskranke gehört wahlweise in eine Anstalt oder zum Abdecker

  7. Ex-HSVer+im+Herzen 14. September 2021 um 15:53 Uhr

    Hervorragender Blog! Mit schönen Wortspielen.
    Ich persönlich denke, dass Kühne der HSV mittlerweile egal ist und es im Hintergrund nur noch darum geht, die Anteile mit möglichst wenig Verlust abzugeben. ich glaube, Kühne persönlich hätte die schon längst zu jedem Preis abgegeben. Denn wenn man 84 Jahre alt und reich im Quadrat ist, und nur noch wenige Jahre vor sich hat, verplempert man seine Zeit nicht mit etwas, das sich weder finanziell noch emotional lohnt.
    Ich denke, der HSV selbst bremst eventuelle weitere Anteilsverkäufe, weil das bedeuten würde, dass ein neuer Investor die gesamte Mischpoke rausschmeißt.

  8. Vsabi 14. September 2021 um 17:33 Uhr

    KÜHNE der Guro der Logistic-Brance hat sich beim HSV verzockt. Er war nie ein Gönner sondern ein Investor der mit wenig Geld den HSV gerne vereinnahmt hätte. Sein Ziel war ein anderes, er hätte als Besitzer des HSV zum damaligem Zeitpunkt mit der RAUTE ein Hamburger Welt – Symbol übernommen. Dies sollte sein Grundkapital als EHRENBÜRGER von HAMBURG sein. Hier war sein Erfolgsrezept mit geringem Einsatz den grossen Clou zu landen , gescheitert. Auf grund seiner sportlichen Inkompetenz war er gezwungen, sich Leute zu suchen, die über das nötige Know-how verfügen. Hier wurde er Opfer von Unkundigen, Blendern, Egoisten, Finanzjongleuren und Luschen.
    Struth, Callmund, Gernandt, Beiersdorfer sind nur einige Namen. Ich denke, dass er auf jegliches Engagement z.Zt. verzichtet und später seine Stiftung , Forderungen an den HSV stellt und somit das Thema KÜHNE UND HSV beendet ist ! R.E.P. HSV

  9. atari 14. September 2021 um 17:59 Uhr

    was denn da los 🙂

    @Marcus Scholz, @Jonas…oder wer gerade Dienst schiebt: bitte mal schnell löschen! Und endlich die Blog-Software erneuern, diese hier kann weder Tippspiel noch Datensicherheit!

  10. Goldfather 14. September 2021 um 19:41 Uhr

    Angesichts der Tatsache, dass Klaus-Michael Kühne eine gewisse Verantwortung für die Arbeitsplätze von ungefähr 78.000 Mitarbeitern trägt und er im Kern seines Wesens eher konservativ und sparsam tickt, gehe ich nicht davon aus, dass es sich bezüglich des HSV um ein Hobby-Investment handelt. Wer sich mit der Geschichte der Firma Kühne + Nagel beschäftigt und mit der Persönlichkeit des Chefs, der weiß, dass man dort in der Lage ist sehr langfristig zu denken und zu agieren.
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    Zehn oder zwanzig Jahre sind für ein Unternehmen wie Kühne + Nagel irrelevant, wenn es darum geht strategisch wichtige Positionen zu entwickeln oder auszubauen. Nervöse und diffus geführte Veranstaltungen wie der DFB mit seiner altertümlichen 50+1 Regel werden von dynastisch geprägten Großunternehmern, wie Klaus-Michael Kühne, eher milde belächelt.
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    Wenn der Endboss aus Schindellegi den HSV will dann ist es egal wie lang es dauert, es ist egal in welcher Liga die Übergabe stattfindet, es ist egal ob der Club pleite ist und keine Lizenz mehr bekommt. Denn entscheidend ist lediglich eines: Übernahme zu den Bedingungen von Klaus-Michael Kühne. Totale Kapitulation auf Vereinsseite und in der DFB-Zentrale in Frankfurt.
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    Ob Klaus-Michael Kühne persönlich dabei sein wird oder nicht ist ebenfalls irrelevant, weil er es gewohnt ist bei Kühne + Nagel Projekte zu entwickeln deren wirtschaftliche und logistische Bedeutung sich über Jahrzehnte ergibt. Der Mann denkt und handelt nicht wie ein Mensch mit 2500 € netto und einem Girokonto bei der Sparda.
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    Schaut man sich beispielsweise einmal die asiatische Perspektive an und dabei auf die Entwicklung der chinesischen neuen Seidenstrasse dann fällt auf, dass Westeuropa mit der logistischen Drehscheibe Hamburg in den nächsten Jahrzehnten wirtschaftlich stärker als jemals zuvor mit dem asiatischen Markt verzahnt sein wird. Wir sprechen von einem Markt der irgendwo bei 5 – 6 Milliarden Menschen liegen wird. Wachstumsraten von 10% + X. In diesem Markt wird die heutige Premier League nicht die einzige Liga bleiben die davon wirtschaftlich profitiert.
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    Hamburg ist zudem eine der reichsten Metropolregionen der Welt, was dazu führt, dass der HSV allein in seinem Heimatmarkt, als dominierender Club, gut geführt, glänzende wirtschaftliche Möglichkeiten hätte.
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    Die sportliche Wiederbelebung des HSV ist dabei das kleinste Problem. Es gibt Experten wie Ralf Rangnick die in der Lage sind mit der entsprechenden finanziellen Unterstützung einen Club wie den HSV innerhalb von 5 Jahren in die europäische Spitze zu führen. Wie genau die Strategie dazu auszusehen hätte, ist in groben Zügen seit dem Hoffenheim und Leipzig in der ersten Liga spielen bekannt.
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    Das größte Problem ist die HSV-Vereinsstruktur und der DFB in Frankfurt. Beides erledigt sich aktuell mal schneller und mal langsamer von selbst. Der HSV zeigt einen Grottenkick nach dem anderen und befindet sich mit Leuten wie Jansen, Wettstein, Boldinho, Mutzelbacher sowie 80.000 desinteressierten Mitgliedern auf dem Weg in die dritte Liga. Ohne die Stadt Hamburg mit ihren treuen Steuerzahlern wäre der Club aktuell nicht überlebensfähig.
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    Der DFB erledigt die Liga ebenfalls mit einer Art Netzwerk, welches sich gerne Posten und Gelder zuschiebt. Die Bayern werden jedes Jahr Meister, der Wettbewerb ist tot. Selbst wenn es einem Club nochmal gelingen sollte dazwischen zu grätschen wird die Freude von kurzer Dauer sein, da die Bayern die Meistermannschaft weitestgehend übernehmen würden.
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    Es ist mittlerweile klar, dass ein Club nur noch mit einem Konzern im Rücken in der Lage ist um die Meisterschaft mitzuspielen. Wann der DFB der Wirklichkeit ins Auge schauen wird steht noch in den Sternen, aber irgendwann wird es einen fairen Wettbewerb geben bei dem Konzerne in Verbindung mit Traditionsclubs um den Titel spielen werden.
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    Man hat Zeit am Zürichsee. Kurzfristige Spekulationen, schnelles Geld, all das ist etwas für Leute ohne finanziellen Tiefgang.
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    Gleichzeitig wird der Aufbau eines neuen Hamburger Projekts blockiert, da es kein Konzern wagen wird Geld in etwas zu stecken was den Interessen des wichtigsten Wirtschaftsbosses der Stadt zuwiderläuft.
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    Der HSV ist ein Milliardenprojekt, welches jährlich mehrere hundert Millionen € abwerfen kann. So ein Projekt hat selbst im riesigen Kühne-Imperium Gewicht und kann problemlos über mehrere Jahrzehnte verfolgt werden.
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    Am Ende zählt die Rendite und wenn es dann noch mit dem Herzensclub stimmt schmeckt das abendliche Gläschen Mineralwasser auf der Terrasse mit Blick auf den Zürichsee noch ein wenig rautiger im Abgang.
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    Die Hauptrisiken dieser Strategie sind der Klimawandel sowie der weltweite Rückgang der Bevölkerung der von Experten im Laufe dieses Jahrhunderts erwartet wird. Sollte beides in erheblichem Maße eintreten würde das möglichweise sogar zu einem weltweit schrumpfenden Bruttosozialprodukt führen und das wiederum könnte für die wirtschaftlichen Aussichten in der Sportindustrie zu erheblichen Problemen führen.
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    Als Wahlschweizer der den Gletschern beim verschwinden zusehen kann, weiß Klaus-Michael Kühne nur zu gut wie flexibel die Tourismusindustrie in der Schweiz bereits heutzutage agieren muß, um überleben zu können. Und als Hamburger Unternehmer dessen Revier die Elbe ist, weiß er ebenfalls wie hoch die Investitionen bereits in den nächsten Jahren sein müssen, um sich den veränderten Bedingungen auf dem Fluss und im Hafengebiet anzupassen.

    • Gravesen 14. September 2021 um 19:49 Uhr

      Der HSV ist ein Milliardenprojekt, welches jährlich mehrere hundert Millionen € abwerfen kann

      Diese Meinung dürftest du exklusiv

      • Goldfather 14. September 2021 um 20:05 Uhr

        Ajax Amsterdam 2019/20: Transferüberschuß 159 Millionen €.
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        Manchester United 2021: Trikotverkäufe Christiano Ronaldo 218 Millionen € in sieben Tagen.

        https://www.spiegel.de/sport/fussball/manchester-united-verkauft-trikots-von-cristiano-ronaldo-fuer-220-millionen-euro-in-sieben-tagen-a-bc0949a2-f900-42d2-b215-72519dbfbafb
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        Dazu muss man sich ein entsprechendes Wirtschaftswachstum vorstellen sowie die exponentielle Zunahme der Einnahmen aus dem Onlinegeschäft.
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        Doch doch ich bleibe dabei. Der HSV kann als gut geführter Club in der europäischen Spitze (Topzwanzig, Super League;) enorme Summen einnehmen.
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        Wo war die Bundesliga vor 60 Jahren? Werden die nächsten fünfzig Jahre gute Jahre, werden wir ein gewaltiges Wirtschaftwachstum erleben.
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        Auch in Australien 😉

        • Gravesen 14. September 2021 um 20:08 Uhr

          Ich kenne die Zahlen, aber ich frage mich, was Ajax, ManU etc. mit einem unterdurchschnittlichen Zweitligisten zu tun haben? Dann könnten auch Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen Hunderte von Millionen abwerfen, was sie nicht tun werden

  11. Goldfather 15. September 2021 um 02:26 Uhr

    Prognosen sind naturgemäß immer schwieriger als die Verkündung des aktuellen Zustandes. Doch wer konnte sich in den siebziger Jahren vorstellen, dass Bundesligaclubs Spieler transferieren werden die ihnen mehr als 100 Millionen € einbringen würden? Rechnet man den Euro (€) in DM um, dann müssen wir beispielsweise über einen Spieler wie Masour Ousmane Dembélé sprechen der dem BVB im Jahr 2017 über 200 Millionen DM an Transfererlös eingebracht hat.
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    Haaland würde dem BVB mehr als eine Viertelmilliarde DM einbringen.
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    Mir geht es um eine wirtschaftliche Projektion der nächsten 50 – 60 Jahre. Kühne + Nagel befasst sich aktuell mit der neuen Seidenstraße und ist sich bewusst darüber, dass man in China für Jahrhunderte plant und denkt. Quartalsdenken, wie an den westlichen Aktienmärkten üblich, hat es in China und Indien aufgrund kultureller Entwicklungen eher schwer.
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    Der HSV ist in Norddeutschland immer noch die stärkste Marke auf dem Fußballmarkt, WENN die sportlichen Rahmenbedingungen passen. Und Hamburg, als phasenweise reichste Metropolregion Europas, muss sich wahrlich nicht hinter Amsterdam oder gar Manchester verstecken.
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    Zudem gehe ich davon aus, dass es Einnahmequellen geben wird aufgrund technologischer Entwicklungen und aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen von denen wir gegenwärtig nicht den blassesten Schimmer haben.
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    Wer konnte in den achtziger Jahren ahnen, dass der Fußball eines Tages online gehen würde und dies der Beginn vollkommen neuer Vermarktungsoptionen werden könnte?
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    Der Umsatz des BVB stieg von 73 Millionen € im Jahr 2005 bis auf 494 Millionen € im Jahr 2018. Würde man eine lineare Steigerung des Umsatzes annehmen wären das ungefähr 32 Millionen € die der BVB-Umsatz jährlich gestiegen wäre.
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    Geht man von einer niedrigeren Umsatzsteigerung in der Zukunft aus und rechnet mit 20 Millionen € jährlich würde der BVB in 25 Jahren als irgendwo um das Jahr 2046 die Milliardengrenze überschreiten. Geht man zudem davon aus, dass es bei zunehmender internationaler Vernetzung durch digitale Technologien sowie durch zunehmende Reisetätigkeiten der Weltbevölkerung zu einer stetig steigenden Marktduchdringung der Bundesliga oder gar der Super League kommt und legt eine Umsatzrendite von 25% zugrunde wären das 250 Millionen €/Jahr.
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    Hinzu kommt, dass bei einem gut geführten Konzern Gewinne aus anderen Geschäftsfeldern einfließen die nicht direkt mit der sportlichen Entwicklung zusammenhängen. Diversifikation um krisenfester aufgestellt zu sein.
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    Kühne + Nagel, als eines der größten Logistikunternehmen überhaupt, könnte den HSV als Marke hinaus in die Welt tragen und würde zudem wirtschaftlich profitieren können.
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    Dazu benötigt man allerdings Profis die ihr Geschäft so gut verstehen wie die Logistiker im Hamburger Hafen oder die Flugzeugbauer bei Airbus. Für Dünnbrettbohrer aus dem unternehmerischen Mittelstand mit Hang zur C-Klassenprominenz wäre dann kein Platz mehr im AR oder Vorstand des HSV.
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    Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit beim HSV hoch dafür, dass man sich für den Weg in die Insolvenz und ein Dasein im schattigen Amateursport entscheidet.
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    Doch möglicherweise besitzt Klaus-Michael Kühne einen sehr sehr langen Atem…..
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