Der einzig gangbare Weg

Ich frage mich ja immer wieder, warum ausgerechnet diejenigen, die sich am lautesten in Blogs, Foren und Podcasts zu Wort melden und meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, am wenigsten von der Materie verstehen. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer, man muss sich nur die richtigen Fragen stellen. Man muss gar nicht bis zu den Gründervätern zurückblicken, es reicht, wenn man die letzten Jahre betrachtet, denn tatsächlich dreht sich dieser Verein nur um sich selbst, wobei die Tendenz zur Abwärtsspirale durch verschiedene Faktoren verstärkt wird. Aktuell jault mal wieder die halbe Boulevardpresse und die ahnungslosesten unter den Insolvenzbloggern nach dem ach so vernachlässigten und heute aktuellen Nachwuchskonzept, dem optimierten Scouting und dem Zwang, endlich einmal auf die eigene Jugend zu setzen. Diese Idee ist allerdings weder besonders neu noch innovativ, sie wird nur immer dann aus der Versenkung befreit, wenn den Losern nichts anderes mehr einfällt. Ich erinnere an dieser Stelle daran, dass der HSV seit vielen Jahren, spätestens jedoch seit 2014, jedes Jahr € 8 Mio. des nicht vorhandenen Geldes in dieses sogenannte Nachwuchskonzept feuert. Auch heute noch, mit wie immer überschaubarem Erfolg. Der Umstand, dass nun plötzlich Welt-Juwelen wie Ambrosius, Vagnoman oder Alidou wie die Phoenixe aus der Asche auftauchen, liegt nicht daran, dass sie besser sind als ihre Vorgänger Feka, Götz oder Ito. Der HSV ist nur inzwischen im Mitttelfeld der Öd-Liga angekommen und hier sind die Ansprüche nicht mehr so groß. Vergangene, gescheiterte Juwelen könnten in dieser Mannschaft garantiert mitbolzen, für die Bundesliga hat es jedoch nicht gereicht. 

Aber weiter im Text, wir waren bei den richtigen Fragen. Also, wie kann es sein, dass beispielsweise ein Narey in Hamburg eigentlich die Karikatur eines professionellen Fußballers abbildete, in Düsseldorf ist er nun regelmäßig Man of the match? 13 Spiele, 4 Tore, 7 Vorlagen. In Hamburg reibt man sich immer noch die Augen, das Gleiche gilt für einen vom Hof gejagten Klaus Gjasula. Vom 3. bis 9. Spieltag in Darmstadt immer auf dem Platz, wurde er anschließend erst durch eine Corona-Infektion gestoppt, mit den Lilien steht er aktuell auf Platz 4, vor dem Verein, der ihn mit Abfindung aus der Stadt gejagt hat. Wollen wir über Filip Kostic reden? Wollen wir über gefühlte 2.000 Spieler reden, die in Hamburg über ihre eigenen Füße stolperten und in der Ferne plötzlich und wie von Geisterhand präzise Flanken schlagen können? Warum wird in Hamburg gefühlt jeder Spieler und jeder Trainer schlechter? Ich bin zu 100% davon überzeugt, dass man Kinsombi nach Kiel zurückschicken könnte und der Mann dort wieder so performen würde wie zu dem Zeitpunkt, als sich der HSV entschied, € 3,5 Mio. auf den Tisch zu blättern. Also – wie kann das sein? Es kann doch nicht an all den Spielern und Trainern (sogar Sportchefs) gelegen haben. 

Das Scouting. Immer wieder lese ich in diesen Wochen, der HSV müsste beim Scouting besser und “findiger” werden, was für ein Bullshit. Ihr könnt zu 100% sicher sein, dass die Verantwortlichen beim Verein all die Spieler, die in Blogs und Foren diskutiert werden, auf dem Schirm haben. Die kennen die Jungs, sie kennen auch die übertalentierten 14-Jährigen, aber sie kriegen sie nicht. Vor einigen Jahren hatte ich mal das Glück, mich mit einem HSV-Scout unterhalten zu können und er nannte mir damals zwei Namen von Spielern, die mir zum Zeitpunkt unseres Gesprächs wenig sagten. Er meinte, dass man diese Spieler natürlich gesehen und beobachtet hatte und man hatte ihr Talent wohl erkannt, aber man bekommt sie nicht. Diese Spieler waren schon zu B- oder C-Jugend-Zeiten für den Verein nicht mehr erschwinglich, aber das HSV-Scouting hatte sie sehr wohl auf dem Schirm. Bei den beiden Spieler handelte es sich übrigens um Julian Brandt und Pierre-Emile Höjbjerg. Man kann sich also die Vorstellung, dass das HSV-Scouting hinter dem Mond lebt, getrost abschminken. 

Wenn es also nicht an den Spieler, den Trainern, dem Scouting oder dem Nachwuchsleistungszentrum liegt, woran liegt es dann? Ganz einfach, es liegt am Verein. Es liegt an dem, für was dieser Verein steht und das große Problem besteht darin, dass genau das eben nicht zu ändern ist. Man könnte das gesamte Personal der Geschäftsstelle tauschen, den Vorstand, den Aufsichtsrat, den Trainer und alle Spieler feuern, aber der HSV bliebe der HSV. Seine eigene Geschichte wird diesem Verein immer im Weg stehen, sein Ruf ist zementiert und nicht umkehrbar. Man könnte 1425 Kommunikations-Agenturen beauftragen und 54 neue Leitbilder formulieren lassen, der HSV bliebe der HSV. Ein angeblich großer Verein, latent überheblich und erfolglos, der von nichts anderem lebt als von seiner angeblich so großartigen Vergangenheit, die bei genauem Hinsehen eben doch nicht so überragend ist, die aber immer wieder überragend gelabert wird. Würde man alle Personen austauschen und ersetzen, man hätte innerhalb weniger Wochen doch wieder den Verein, den man eigentlich abschaffen wollte. Dieser Teufelskreis ist nicht mehr umkehrbar, die Zukunft dieses Vereins ist vorherbestimmt. Deshalb kann es nur eine Lösung geben, möchte man in Hamburg perspektivisch einen wirklich erfolgreichen Fußball-Klub implementieren.

Man gründet einen komplett neuen Klub. 

Tatsächlich bräuchte man einen verrückten Milliardär a la Hopp oder Mateschitz und ein Konzept. Man müsste irgendwo auf dem Grasbrook ein neues Stadion bauen lassen und vielleicht einen Hamburger Fußball-Klub gründen. Die Lizenz eines Oberligisten übernehmen und einen Verein mit professionellen Strukturen, finanziell abgesichert aufbauen. Man bräuchte Personal wie beispielsweise einen Ralf Rangnick, der ein Konzept leben und den Beweis antreten möchte, dass so etwas funktionieren kann und nicht Fußball-Söldner und Vereins-Nomaden, die den Verein als austauschbaren Goldesel benutzen wollen. Ein Rangnick übrigens würde am aktuellen HSV ebenso scheitern wie seine zahllosen Vorgänger, weil dieser Verein in seiner existierenden und nicht veränderbaren Form Erfolg gar nicht zulässt. Was aber würde mit dem Hamburger Publikum passieren, wenn man ein solches Projekt aufsetzen würde? Ich bin mir zu 100% sicher, dass dieser Verein innerhalb kürzester Zeit eine echte und gute Fanbase rekrutieren würde, es gibt genügend Leute, die nicht nur das billige Stadionspektakel mit Bierplörre und Rassismus-Gegröle leid sind, sondern die endlich einmal guten und modernen Fußball in Hamburg sehen wollen. Das Gleiche gilt für Sponsoren und Investoren aus Hamburg. Auch die würden sich engagieren, was sie bei der Geldvernichtungsmaschine HSV mit Sicherheit nie mehr tun werden. 

All diese Dinge sind mit dem Hamburger Sport Verein nicht möglich und werden nie mehr möglich sein, der HSV wird immer der HSV sein und diese Tatsache wird dem Verein immer im Weg stehen. Man kann seine Vergangenheit und all die zahllosen Fehler, Skandale und Verlierer nun mal nicht einfach löschen oder ersetzen, bei der erstbesten Gelegenheit fliegen dem Verein die eigenen Geschichten wieder um die Ohren. Denkt mal drüber nach.  Beweisführung? Man hat zigmal den Trainer, Dutzende Male den Sportchef, jedes Jahr 50% der Mannschaft getauscht? Man hatte Finanzexperten, Sportexperten, Wirtschaftsprüfer, Anwälte, Versicherungsangestellte, Schauspieler, Medizin-Professoren und Cola-Importeure im Aufsichtsrat. Man hat es ohne Kühne, mit Kühne und wieder ohne Kühne versucht. Man hat “Hamburg, meine Perle” auf die Müllhalde der Geschichte verfrachtet, Pape ins Heim geschickt und die Uhr abgebaut. Was hat sich am Verein selbst geändert? Nichts. Noch immer halt dieser Scheiß-Spruch “Nur der HSV” durch das sanierungsbedürftige Stadion, was irgendwie signalisieren soll oder signalisiert, dass dieser Verein über allen anderen Vereinen steht und besser als alles andere sein soll, der Treppenwitz des Jahrhunderts. Man kriegt den HSV nicht aus dem HSV und was einige supercool finden, ist die Wurzel allen Übels. 

Von | 2021-11-16T08:14:45+01:00 14. November 2021|Allgemein|22 Kommentare

22 Comments

  1. Hannover1958 14. November 2021 um 08:38 Uhr

    Top-Blog. Und wenn St Pauli in Zukunft weiterhin kühlen Kopf und die richtigen Entscheidungen trifft, wird der Absturz noch beschleunigt.

  2. Fohlenstall 14. November 2021 um 09:55 Uhr

    Moin zusammen,
    mal wieder klasse zusammengefasst. Für mich passt insbesondere der letzte Absatz wie die berühmte Faust aufs Auge!
    Der Absturz hat sich in des noch mal beschleunigt. Das Tafelsilber ist aufgebraucht. Der Finanzvorstand nebst Anhang hat sich verpisst
    und das sagt eigentlich schon sehr viel über den desolaten Zustand des Vereins aus.Sportlich tritt der Verein auf der Stelle und daran
    wird sich, mMn, in dieser konstellation mit dem Trainer und dem Sportvorstand in dieser Saison auch nix ändern.Zur Gründung eines
    kompletten neuen Vereins, wird man sich in Hamburg niemals durchringen können. Für mich kommt ein “Neuanfang” nur mit einer Insolvenz,
    wie auch immer gestaltet, zustande. Aber soweit wird es beim HSV auch erstmal nicht kommen.Man wird vorher noch die letzten Anteile verkloppen
    und weiter vor sich hinsiechen. Wie lange das noch dauert, oder “gut” geht….we will sea…

    • Gravesen 14. November 2021 um 09:59 Uhr

      Ich verstehe deine Argumentation, aber selbst nach einer Insolvenz und einem etwaigen Abstieg wohin auch immer, wird der HSV immer noch der HSV bleiben. Innerhalb kürzester Zeit würden sich ähnliche Parasiten einnisten und das perfide Spiel beginnt von vorn. Dieser Verein, unter dem Namen mit dieser Spielstätte etc. ist unrettbar.

      • Fohlenstall 14. November 2021 um 10:34 Uhr

        Harte Aussage. Du meinst es geht auch dann nur weiter um die “Marke HSV” und nicht um Neugestaltung mit einem durchdachten Konzept?
        Und ja, die Spielstätte sehe ich so oder so als Problem an. Da reichen auch nicht die Millionen, wenn sie denn jemals investiert werden, zur
        Aufhübschung des maroden “Volkspark`s” aus.Oder meinst du die Verbindung, Stadion,Tradition,Erfolge auch mit dem ziemlich neuen Campus
        werden immer in Verbindungen mit altem Denken und Handeln bleiben?

        • Launi 14. November 2021 um 11:48 Uhr

          Man spricht ja so schön von der DNA eines Vereins. Natürlich gibt es keine “DNA” im biologischen Sinne, gemeint sind damit die handelnden Personen – und zwar nicht nur ganz oben sondern auf allen höheren Ebenen. Damit sich was ändert müsste man viele alte Zöpfe abschneiden, was diese aber nicht unbedingt mit sich machen lassen werden. Es ist wie bei einer Hydra, schneidet man einen ab, wachsen zwei neue nach. Eine realistische Chance hatte man mit der Ausgliederung verstreichen lassen. Der Verein war im Aufbruch und es wäre vielleicht die nötige Power vorhanden gewesen, so dass alte Strukturen hätten aufgebrochen werden können und alle, die sich dem in den Weg gestellt hätten, wären ggf. überrant worden.
          Mittlerweile wurde der Verein (die Basis) aber sediert und auf lange Zeit wird sich nichts mehr bewegen. Den HSV wird eines Tages das Schicksal anderer Vereine ereilen und in der Versenkung verschwinden. Dann ist der Verein allerdings gemolken und blutleer.

  3. sportjournalist 14. November 2021 um 10:18 Uhr

    Ich hoffe inständig das diesem Abwärtssog niemand von den Schädlingen entfliehen kann, sondern gebrandmarkt wird
    Laiendarstellen Josefine Mutzi und Boldti wären doch schon längs weg, wenn sie jemand haben wollte. Der Bilanztrickser hat es ja geschafft.
    Hüpfer werden dann wohl Lemmingverhalten an den Tag legen und Ruhe ist. Da der HSV ja aus mehr als nur Fussball besteht glaube ich nicht an einen absoluten Neuanfang.
    Mit dem jetzigen Virus infizierte werde neue Leute holen und anstecken.

  4. Maddin 14. November 2021 um 10:52 Uhr

    Wie ein Verein ist bestimmen seine Mitglieder. Also wenn der HSV sich ändern soll musst du Selbige komplett entmachten. Da nützt auch ein Neustart nix wenn hinterher die gleichen Leute wieder was zu sagen haben.
    Denke das einzige was hilft ist eine Insolvenz und dann eine Ag mit einem neuen Mutterverein nach Vorbild RB Leipzig.

  5. Boxer 14. November 2021 um 12:05 Uhr

    Ernstgemeinte Frage. Wenn den Scouts beim HSV alle Spieler/Talente bekannt sind, warum werden dann solchen Kanonen wie Muheim, Kaufmann, Vuskovic verpflichtet? Die sind offensichtlich nicht talentiert genug bzw. überbezahlt. Klar reden wir hier nicht über einen Brandt oder Hojbjerg, wir reden über Spieler 2 Klassen schlechter. Aber trotzdem werden noch im Verhältnis zur Leistungsstärke zu hohe Ablösen/Leihgebühren und Gehälter gezahlt. Das gleiche wie vor 10 Jahren auch, nur eben eine Liga tiefer.
    Wenn dann alle Spieler bekannt sind, warum ist man dann nicht in der Lage die zu holen? Ich rede hier nicht von Toptalente bei denen der HSV keine Chance hat, sondern von Spielern die gute 2.Ligaspieler werden können oder im Optimalfall eben 1.Liga spielen können. So etwas wie Onana.

    • Fohlenstall 14. November 2021 um 12:58 Uhr

      Na ja, man wird in der Branche schon ein gewisses Standing haben, wie auch immer das aussieht😉. Die “guten” Perspektivspieler für Liga 2 kosten auch schon ordentlich,
      und wollen klare Perspektiven aufgezeigt bekommen. Ausserdem hat der HSV in dem Bereich keine große Strahlkraft mehr. Das macht es ja auch so schwer.
      Der Name HSV und die “schönste Stadt der Welt” reicht, trotz des gemachten Medien-Hypes, schon lange nicht mehr aus. Andere zahlen besser, haben
      bessere Perspektiven und können vielleicht auch mehr überzeugen als ein Boldt oder Mutzel. Zu Onana: Den hat seine Schwester ( auch seine Beraterin)
      dem HSV “angeboten”, also hat das meines Wissens, nicht viel mit eigenem Scouting zutun gehabt.

  6. Ex-HSVer+im+Herzen 14. November 2021 um 14:37 Uhr

    Sehr guter Blog! Ich sehe es genauso wie Du, dass Hopfen und Malz verloren ist. Das, was den HSV vor dem Komplettzusammenbruch bewahrt ist die unerklärliche Affinität der Fans. Dieser Verein hat ja nun mittlerweile im vierten Jahr in der zweiten Liga absolut gar nichts mehr, was einen wirklich Fußballinteressierten noch anspricht. Ich schaue mir einige Spiele (neben irgendeiner anderen wichtigen Tätigkeit) nur noch an in der Hoffnung, eine weitere Blamage zu sehen. Natürlich gebe ich kein Geld aus für Sky oder Dazn, sondern der russische Streamingchannel oder Sportschau Audiostream reichen. Ich habe mal versucht, tiefenpsychologisch zu analysieren, warum man sich eine Dauerkarte für so einen wirklich miesen Fußball kauft. Davon nehme ich mal die 5000 Orks und Teenager aus, für die das so eine Art Familienersatz ist. Aber warum gebe ich als im Leben stehender Mensch Geld für etwas aus, das weder positive Emotionen noch sonst eine Erfahrung bietet. Ich kann es nicht verstehen. Denn auch um das Spiel herum ist alles einfach nur schlecht. Sei es das Essen, die sanitären Anlagen, das Rahmenprogramm oder das Plörre-Bier. Gastromische Trends wie vegan oder eine Auswahl mehrerer Biere, angesagte Non-Alcohols finden nicht statt. Stattdessen: Saufen und Fressen wie anno 1990. Und auch sonst kann ich es nicht verstehen, wie dieser Verein auch noch irgendeine über ein rudimentäres Interesse (am Niedergang) hinausgehende Rolle im Leben spielen kann. Diese Interessenten verhindern das Begräbnis und den Neustart.

  7. Alex 14. November 2021 um 14:53 Uhr

    Hervorragender Blog! Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, außer…

    Marek Erhardt, dafür sollst du ewig in der Hölle schmoren. Alright! 🎩

  8. Goldfather 14. November 2021 um 16:48 Uhr

    “Man kriegt den HSV nicht aus dem HSV…” (Gravesen)
    .
    Klingt zunächst einmal nach “Der Rautenfluch” oder “Die Verdammten der Viererkette”.
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    Doch was ist es eigentlich, was den HSV von anderen Clubs, die ebenfalls mit selbst-optimierenden Trittbrettfahrern zu tun haben, unterscheidet? Sind die Selbstoptimierer ausgerechnet beim HSV in größerer Anzahl vorhanden als in anderen Clubs? Sind sie gnadenloser in Hamburg? Verlangen sie mehr Geld in Hamburg, als in München oder Dortmund?
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    Oder ist die Stadt, die leider mittlerweile mit immer mehr gesichtslosen, hochverdichteten Neubaughettos verschandelt wird, zu schön um einen Proficlub auf höchstem Niveau zu beherbergen?
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    Ich denke, dass alle großen Clubs die gleichen Probleme haben wie der HSV nur das es andernorts fähiges Führungspersonal gibt das damit umzugehen weiß. Insbesondere bei Clubs wie dem FC Bayern oder dem BVB stehen Leute in einer riesigen Schlange, um persönlichen Profit aus dem Club herauszuziehen. Bei den Bayern sitzen Wirtschaftsfachleute und Politiker in verschiedensten Beiräten und Gremien, die froh darüber sind sich morgens die Schnürsenkel richtig schnüren zu können und deswegen sofort aufs Maul bekommen, wenn sie sich zu sportlichen Fragestellungen äußern.
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    Über Klaus-Michaels Kadervorstellungen hätten sich die Bayern kaputt gelacht und ihm danach klar gemacht, dass er sich einen anderen Club suchen kann, wenn er sie weiterhin belästigt.
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    Die Bayern hatten aus meiner Sicht das Glück, dass sie über intelligente Weltklassespieler verfügten die sich für den Club interessieren und sich mit ihm identifizieren. Denn Präsidiumswahlen hat es auch beim FC Bayern gegeben und irre Journalisten und Zeitungsenten ebenfalls. München unterscheidet sich in dieser Hinsicht kein Stück von Hamburg. Es fehlt lediglich die Elbe der Kiez und die Seeluft.
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    Ich glaube nicht an das Schicksal des HSV, sondern an Führungspersonal, das fähig ist den Rauten-Tanker auf Kurs zu bringen. Aktuell ist jedoch weit und breit niemand zu sehen dem dies gelingen könnte, bevor der Club in die Insolvenz geht. Der HSV hat es nicht geschafft im Spielerkader des erfolgreichen Happel-Teams jene zu finden mit denen der Weg des FC Bayern München in Hamburg beschritten hätte werden können.
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    Ein Weg wie ihn übrigens auch Ajax Amsterdam geht, so dass die wichtigsten Schlüsselpositionen im Club in der Regel mit ehemaligen Spielern besetzt sind die auf höchstem Niveau gespielt haben und deren Expertise und Verständnis des Ajax-Weges über jeden Zweifel erhaben ist.
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    Ex-Dukate wäre beispielsweise kein Ex-Spieler der in dieses Raster fallen würde, da seine Erfolge als Spieler nicht auf dem Niveau angesiedelt gewesen sind, welches notwendig ist, wenn man einen Club im obersten Regal platzieren möchte. Bei den Bayern und bei Ajax bedeutet das langjährige Nationalmannschaftskarriere und der Gewinn eines europäischen Titels im Clubfußball. Darunter wird es schwierig. Hinzu kommen Intelligenz, Loyalität, Belastbarkeit, Flexibilität.
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    Natürlich gibt es auch gute Quereinsteiger wie Heidel, Lemke, Watzke, Ruhnert, Mislintat. Aber die zu finden ist noch schwieriger.
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    Netzer hat es verpasst eine Gruppe von Spielern aus dem Kader Happels zu nehmen und sie auf die Clubführung der nächsten Jahrzehnte auszurichten. Magath, Jakobs, Milewski, von Heesen, Wehmeyer hießen damals die offensichtlichsten Kandidaten. Netzer wird zudem aufgrund seines direkteren Kontaktes möglichweise noch andere identifiziert haben. Und dabei gebe ich zu bedenken, dass selbst Leute wie Uli Stein und Jimmy Hartwig auf bestimmten Positionen in Frage gekommen wären.
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    Als Uli Hoeneß im Alter von 27 Jahren Manager wurde bei den Bayern haben Wirtschaftsfachleute und Juristen in München sicherlich mehr als einmal die Nase gerümpft und als Karl-Heinz Rummenigge ebenfalls in der Clubführung tätig wurde nach seiner Karriere hat nicht nur der geneigte Spiegelleser milde gelächelt. Und genauso lächeln sie heutzutage über Bananen-Oli und Flüchtlings-Hasan, während sie zugleich darüber klagen, dass die Bayern die Liga getötet haben.
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    Und beim Thema Scouting gilt ebenfalls das Qualität vor Quantität geht. Ein guter Scout findet Spieler mit Potential die noch nicht als hochbegabt eingestuft werden. So wie ein guter Aktienhändler Firmen und Branchen findet die von der Masse nicht einmal im Ansatz als interessant eingestuft werden. Vision und Realismus müssen beim Scouting eine Verbindung eingehen, damit etwas besonderes daraus entstehen kann. Die Google-Gründer haben reihenweise Türklinken putzen müssen bevor ein offensichtlich irrer Investor indischer Abstammung ihnen Geld für eine bekloppte Suchmaschine ohne Werbung gegeben hat.
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    Der HSV hätte mit dem richtigen Konzept und einer guten Führung durchaus die Chance wieder unter die Top 5 in Deutschland zu kommen, doch aktuell ist der Club dem Tod näher als der ersten Liga.

    • Gravesen 14. November 2021 um 17:00 Uhr

      Du hast es nicht verstanden. Liegt wahrscheinlich daran, dass du dich mehr an deinen eigenen Texten aufgeilst als dich mich anderen inhaltlich auseinander zu setzen.

      • Goldfather 14. November 2021 um 17:03 Uhr

        Was unterscheidet den HSV von anderen Clubs?

        • Gravesen 14. November 2021 um 17:07 Uhr

          Alles. Sein Selbstbild. Seine Fans. Sein Umfeld. Seine Geschichte. Sein nicht vorhandener Plan. Seine fehlende (Leistungs)-Kultur. Seine Intrigen. Alles.

          • Goldfather 14. November 2021 um 18:17 Uhr

            Intrigen gibt es in jedem Club, bis hinunter in die Kreisklasse. Asoziale Fans, Rassisten und Gewalttäter gibt es in 99% der Clubs. Fehlende Leistungskultur ist ein Führungsproblem. Geschichte und Umfeld sind sicherlich spezieller, aber letztendlich nichts was einer klugen Führung widerstehen würde. Der HSV ist für mich nicht unführbar.

  9. Gravesen 14. November 2021 um 18:19 Uhr

    Wie gesagt – du raffst es nicht.

  10. Maddin 14. November 2021 um 18:20 Uhr

    Zu teuer, außerdem sah man keine wirkliche Perspektive – Doch nun hat Kilian Senkbeil dennoch einen neuen Verein gefunden – und zwar einen Amateurklub. Den 22-Jährigen zieht es zum Abstiegskandidaten ZFC Meuselwitz in die Regionalliga Nordost
    ——Spieler gehen lieber zum ZFC Meuselwitz als zum HSV.—–😁😁😁😁

  11. Kevin allein in Hamburg 14. November 2021 um 18:28 Uhr

    @goldfather.

    Mach doch bitte deinen eigenen Blog auf.

    • Goldfather 14. November 2021 um 18:49 Uhr

      Warum sollte ich? @ Kevin allein in Hamburg – An Blogs und Podcasts zum HSV mangelt es aktuell nicht und leider bin ich zeitlich zu limitiert für so etwas, da ich unter anderem auch bei einem Hamburger Amateurclub tätig bin in dem es Intrigen satt gegeben hat. An Bierleichen und Brüllorks mangelt es ebenfalls nicht. Allerdings gibt es eine relativ junge Führungsriege die den Club tatsächlich auf eine gute Entwicklungsschiene gesetzt hat, nachdem die älteren Semester den Führungsstab übergeben haben.
      .
      Ich kann den Frust rund um den HSV durchaus verstehen, aber ich halte die Situation und die drohende Insolvenz nicht für ein unabwendbares Schicksal. Manchmal dauern bestimmte Entwicklungen sehr lange und manchmal gehen sie Wege die sich von uns hier gerade niemand vorzustellen im Stande ist.
      .
      Ich wünsche euch ein schönes Restwochenende.

      • Kevin allein in Hamburg 15. November 2021 um 07:38 Uhr

        Wie schon gesagt wurde.
        Du verstehst es einfach nicht.

        • Gravesen 15. November 2021 um 07:56 Uhr

          Nö, er hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und muss grundsätzlich das letzte Wort haben. Was für ein Narzisst.