Brief des Vorstands

Hamburg, 14.05.2019

Liebe HSV-Mitglieder, liebe Fans und Anhänger des Hamburger Sport Vereins,

der Traum vom direkten Wiederaufstieg in den Bundesliga ist geplatzt und als Vorstandsvorsitzender des Vereins möchte ich mich bei euch allen von ganzem Herzen entschuldigen, als Verantwortlicher des operativen Geschäfts schäme ich mich für das, was wir vom Verein euch in den letzten Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren zugemutet haben. Während der Verein in Gänze versagt hat, seid ihr erstklassig geblieben, eher Champions League-würdig. Hätten wir im Verein nur annähernd so geliefert wie ihr, der HSV würde längst wieder in den oberen Regionen der Bundesliga zu finden sein. Dies ist aber nicht der Fall und deshalb werden wir in Zukunft den Verein neu aufstellen. Nicht nur, weil wir es aus finanziellen und strukturellen Gründen müssen, sondern weil wir es aus tiefster Überzeugung wollen.

Bereits während der laufenden Saison haben wir Teile des sportlichen Bereichs analysiert und sind zu einigen Schlussfolgerungen gelangt. Dies hat zur Folge, dass wir bereits heute einige Neuerungen bekanntgeben können, die unmittelbar nach Ende dieser Saison greifen werden.

  1. Verträge für Cheftrainer werden grundsätzlich nur noch für maximal 2 Jahre abgeschlossen. Dies soll gewährleisten, dass uns in Zukunft teure Abfindungszahlungen bzw. langfristige Lohnfortzahlungen erspart bleiben. Kandidaten, die mit dieser Regelung nicht leben können, können nicht Cheftrainer beim HSV werden.
  2. Wir werden ab sofort eine Gehalts-Obergrenze in Höhe von € 450.000 für den Lizenzspieler-Bereich einführen. Spieler, die sich mit dieser Regelung nicht anfreunden können, sind keine für den HSV interessanten Kandidaten.
  3. Da wir in den nächsten Monaten aufgrund finanzieller Gegebenheiten einige harte personelle Entscheidungen zu treffen haben, haben wir beschlossen, auch für den Vorstandsbereich eine Gehalts-Obergrenze einzuführen. Ab dem 01.07.2019 verdient kein Vorstandsmitglied mehr als € 250.000. Wir können nicht von unseren Mitarbeitern und Spielern Verzicht fordern und selbst nicht dazu bereit sein.
  4. Auch die Eintrittspreise werden in Zukunft angepasst, Top-Zuschläge wie aus der Vergangenheit gekannt, wird es nicht mehr geben, egal, wie der Gegner heißt.

Dies sind die ersten Veränderungen für die unmittelbare Zukunft, weitere werden folgen. Nachdem wir nach dem Abstieg aus der Bundesliga geglaubt haben, nicht zuviel ändern zu dürfen, sind wir nun zu dem Schluss gekommen, dass wir so wie bisher einfach nicht weitermachen können und wollen. Das bedeutet in der Umsetzung:

  1. Unmittelbar nach Ende dieser Saison wird die Uhr im Rang 22B abgebaut und nicht ersetzt. Diese Uhr hatte ihre Berechtigung, so lange der HSV Bestandteil der Bundesliga war, jetzt nicht mehr. Eine Fortführung dieser Anzeige würde aus unser Sicht das falsche Zeichen senden.
  2. Ebenfalls mit Ende dieser Saison hat der HSV-Dino ausgesorgt, er wird im Stadion vor, während und nach den Paarungen keine Rolle mehr spielen. Für unsere Kinder-Veranstaltungen erhalten wir Dino Hermann natürlich, dies gilt jedoch nicht mehr für den Bereich Profi-Fußball
  3. Mit Beginn der neuen Saison wird sich die Stadion-Show insofern verändern, als dass vor dem Spiel nicht mehr das Lied „Hamburg, meine Perle“ performed wird. Dieses Lied hatte seine Berechtigung für einen HSV als Mitglied der ersten Bundesliga und wäre im Falle des direkten Wiederaufstiegs auch erhalten geblieben, dann jedoch in textlich geänderter Form. Anstelle dieses Liedes werden wir mit Beginn der neuen Saison vor jedem Spiel „Mein Hamburg lieb ich sehr“ live spielen.

Um es ganz deutlich zu vermitteln – diese Veränderungen sind beschlossen und nicht diskutabel. Wir sind uns bewusst, dass diese Maßnahmen vielleicht bei dem einen oder anderen Fan auf Unverständnis stoßen werden, aber damit müssen wir alle leben. Ebenso wichtig ist es der Vereinsführung festzuhalten, dass wir unsere Entscheidungen auch in Zukunft unabhängig und selbstbestimmt treffen und uns nicht von Wünschen, Anregungen oder Forderungen von Freunden, Sponsoren oder Strategischen Partnern leiten lassen werden.

Eines noch. Wir haben in all den Jahren davon gelebt, dass wir sowohl von unseren Fans, wie auch von unseren Sponsoren, Investoren und Partnern Geduld und Vertrauensvorschuss eingefordert haben und wir haben viel von diesem Vertrauen im Laufe der Jahre verspielt. Wir sind uns bewusst, dass wir uns dieses Vertrauen erst einmal wieder erarbeiten müssen, durch harte Arbeit und gute Leistungen auf und abseits des Fußballplatzes. Als Vorstandsvorsitzender gebe ich hiermit die Garantie ab, dass wir alles menschenmögliche tun werden, um eurer Vertrauen zurück zu gewinnen, daran werden wir uns messen lassen. Außerdem empfinden wir es angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre als nicht zielführend, bereits vor Ende der laufenden Saison Ziele für die nächste Spielzeit auszugeben, schon gar nicht mit Parolen wie „Wir wollen sofort wieder um den Aufstieg mitspielen“ zu argumentieren. Bevor wir irgendwelche Ziele formulieren können, müssen wir zuerst unsere Hausaufgaben machen und damit fangen wir ab heute an.

Herzliche Grüße

….

Für den Vorstand des HSV

 

Von | 2019-05-14T09:03:00+02:00 14. Mai 2019|Allgemein|79 Kommentare

79 Comments

  1. Das Gewissen des HSV 15. Mai 2019 um 11:59 Uhr

    Ein guter Brief, aber einige Tatsachen fehlen. Die HSV Fußball AG hat nie eine Anschubfinanzierung erhalten wie dies bei RB Leipzig, oder Hoffenheim war.
    Beim HSV durften Aktien bis zu 24,9 % des Eigenkapitals verkauft werden, ob wohl eine Klausel im Übernahme-Vertrag Aktien in Höhe von 1750000;00 Euro = 1.750000 Aktien
    ohne Zustimmung der Mitglieder einen Verkauf zulässt. Das hat in all den Jahren dazu geführt, dass gute Spieler verkauft wurden, und schlechtere Spieler gekauft worden.
    Selbst für gute jugendliche Spieler wie z.B. Tah, Demirbey etc. wurde dieses Verfahren angewendet. Für eine gute, bundesligareife Mannschaft sind Führungsspieler notwendig –
    die nicht – in diesem kapitalistischen Marlt – für eine Ablösesumme von 2000000,00 € zur Verfügung stehen. Anmerkung: BVB hat Aktien bis zu einem Anteil über 90 % verkauft.
    Wenn man oben mitspielen will, ist es notwendig die Regeln des Marktes zu beherrschen.

  2. Hinz 15. Mai 2019 um 14:17 Uhr

    Der Beschluss ist in Ordnung.Es musste auch mal so etwas in dieser Richtung passieren.

    Mit freundlichen Grüßen

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