Auf der Bank mit Dr. Feelgood

Mal angenommen, ich wäre ein 26-jähriger Fußballprofi in der besten Zeit meiner Karriere – und ich habe einen Stammplatz auf der Bank. Bei einem Zweitligisten. Bei einem durchschnittlichen Zweitligisten. Was würde ich normalerweise wohl tun. Vielleicht bin ich ja abartig veranlagt, aber ich würde arbeiten und trainieren und mich anbieten, bis mir das Blut aus den Stiefeln läuft. Ich habe nur diese eine Karriere und durch einen Beinbruch vor einigen Jahren ist mit das überdeutlich gezeigt worden. Also: Vollgas, anbieten und wenn das nicht reicht, der Trainer nicht auf mich steht oder mir das von ihm bevorzugte System nicht behagt, dann würde ich gehen. Sofort. So würde ich das machen und so würde das wohl auch jeder Profi mit einer gewissen Einstellung zu seinem Beruf machen. Nicht jedoch der bis dato zweitteuerste Transfer der Hamburger Zweitliga-Historie, Herr KinnZombie. 

Egal ob unter Dieter Hecking, Daniel Thioune oder jetzt Tim Walter, für den Kinsombi vor seinem Wechsel schon ein Jahr bei Holstein Kiel spielte – auf die ganze Saison gesehen bleibt dem 26-Jährigen zumeist nur die Rolle des Jokers. So auch in dieser. Am Dienstagabend gegen Aue (4:0) stellte Walter nicht nur Maximilian Rohr anstelle Kinsombis in die Startelf, sondern bevorzugte in der zweiten Hälfte dann sogar eine Hereinnahme von Anssi Suhonen auf der Achterposition – während Kinsombi erst drei Minuten vor Schluss kam. Und dennoch: Nach MOPO-Informationen denkt der Ex-Kieler nicht an einen Abschied im kommenden Sommer. Kinsombi will seinen 2023 auslaufenden Vertrag, der ihm seit 2019 ein stattliches Gehalt beschert, erfüllen. Kinsombi stand seit seiner Ankunft beim HSV in insgesamt 102 Spielen nur 40-mal in der Startelf, will trotz seiner Hoffnung auf mehr Spielminuten aber keinen Stunk innerhalb der Mannschaft verbreiten – denn er fühlt sich beim HSV und in der Stadt nach wie vor sehr wohl. (Quelle: Mopo)

Ich könnte an dieser Stelle zu schreiben aufhören, denn mehr muss man über einen Verein, von dem Eierkneter Mutzelbacher meinte, er wäre inzwischen ein “normaler Zweitligist”, nicht wissen. Ich hatte neulich einmal einen Blog zu diesem Thema geschrieben (https://www.hsv-arena.hamburg/2022/04/02/verlaengern-um-jeden-preis/) und ich zitiere: 

Grundsätzlich gibt es für einen Spieler zwei Gründe, bei seinem aktuellen Verein zu verlängern.

a. Er bekommt für die Vertragsverlängerung eine deutliche Gehaltsaufbesserung

b. Er hat keine Möglichkeiten zur sportlichen Veränderung/Verbesserung und ist froh, dass er weiterhin leichtes Geld verdienen kann. 

Okay, nun verlängert Kingzombie nicht, sondern er sitzt aus, aber das Prinzip ist das Gleiche. Lieber beim HSV auf der Bank kassieren als woanders für vielleicht weniger Kohle arbeiten müssen. Vor diesem Hintergrund kann man sich auch gern Gedanken über die zahlreichen Vertrags-Extentions machen und darüber nachdenken, warum all diese Spieler unbedingt in Hamburg bleiben wollen. Der Boulevard erklärt natürlich, weil sie allesamt von Verein, Trainer und sportlicher Perspektive überzeugt, die Wahrheit ist jedoch eine andere: Sie bekommen hier einfach immer noch mehr Geld als woanders. Denn das konnte Judas Boldt schon immer – mit Kohle um sich schmeißen, die der Verein nicht hat. Anyway, irgendwas scheint da ja nicht zu stimmen im Volkspark. Zuerst ist es Leih-Däne Kaufmann, der zu spät kam und deshalb medienwirksam von Zuchtmeister Walter abgestraft wurde und nun ist es der wohl teuerste Ersatzkeeper in der Geschichte der zweiten Liga, mit dessen “Mentalität” etwas nicht stimmt.

Tim Walter streicht den Schweden erneut aus erzieherischen Maßnahmen aus dem Aufgebot . „Er wird nicht dabei sein“, stellt der Trainer fest. „Da geht es mehr um Mentalität“, sagt der Coach (Quelle: Mopo)

Schon erstaunlich, oder? Der Eine will lieber seinen Vertrag aussitzen anstatt zu spielen, der Zweite kommt zu spät, weil er weiß, dass er eh nur noch zwei Monate in Hamburg ist und der Dritte hat’s mit der Mentalität. Dabei fällt mir noch etwas auf. Ich verfolge diesen Schund-Verein bekanntlich einige Jährchen und in all den Jahren habe ich gefühlte 265 Mal lesen dürfen, dass sich aus dem Nachwuchs DAS Torwarttalent des neuen Jahrtausends auftun würde. Teilweise spielten diese Jungs sogar in deutschen U-Nationalmannschaften, bevor sie im Nirgendwo verschwanden und durch überteuerte schwedische Mentalitäts-Monster oder durch zwergenhafte Mickel-Maskottchen ersetzt wurden. Und dieses Phänomen ist nicht nur bei KSV-Torhütern, sondern bei zahllosen anderen “Juwelen” zu beobachten, ich erinnere kurz.

Heil, Knost, Kwarteng, Drawz, Steinmann, Ferati, Opoku, Behrens, Köhlert, Ito, Götz, Ronstadt, Gouaida, Porath, Marcos, Feka, Brunst, Götz, Nafiu, Ingreso, Sowah, Nagy, Lam.

Und aufgepasst – dies waren nur die Atom-Juwelen, die es bis in den Profikader geschafft hatten, um dann krachend abzuschmieren. Wieviele U21er, U19ern oder U17ern es waren, die in Hamburg auch bereits als Elb-Messis angekündigt waren um dann nicht mal in KSV-Profikader aufzusteigen, möchte ich gar nicht wissen. Sie alle waren die Hoffnungen auf bessere Zeiten und wurden von den Hofberichterstattern als Juwelen hochgejubelt. Nicht einer von ihnen konnte dann die Erwartungen erfüllen. 

Von | 2022-04-09T07:32:21+02:00 9. April 2022|Allgemein|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Sportjournalist Scholz 9. April 2022 um 12:49 Uhr - Antworten

    Eine aufgefangene WhatsApp:
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